Griechenland : Plan gegen Planwirtschaft

Mehr als 160 Seiten umfasst die am Dienstag in Athen vorgestellte Länderstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Griechenland, aber die Kernaussage findet sich bereits auf Seite acht: „Das Programm kann Erfolg haben.“ Auch das Lob, die bisher geleisteten Sparanstrengungen seien „beeindruckend“, werden die Griechen gern hören. Aber sie haben keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Der Bericht ist kein Freibrief, sondern ein Lastenheft. Neben Anerkennung enthält er auch viel Kritik: etwa an der zögerlichen Privatisierungspolitik der sozialistischen Regierung und ihrem Zaudern bei der Deregulierung des Handels und der Dienstleistungen. Nicht die gerade noch einmal kräftig aufgestockten Hilfskredite der Euro-Partner werden Griechenland vor dem Staatsbankrott retten – der Schlüssel ist Wachstum. Aus der Schuldenfalle müssen sich die Griechen selbst befreien: mit der marktwirtschaftlichen Öffnung ihrer Wirtschaft, die heute noch in vielen Bereichen an planwirtschaftliche Strukturen sowjetischer Prägung erinnert. Dazu bedarf es neben Reformen auch eines Wandels der Mentalität vieler Bürger und Politiker. Zu lange haben sie den Staat als Selbstbedienungsladen missbraucht und so ihr Land in den Schuldensumpf geführt. öhl.

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