Griechenland-Rettung : Abwrackprämie für Athen

Griechenland kürzt Alten die Rente und Beamten den Lohn - und erhält nun doch 400 Panzer. Spinnen die Griechen? Nein, das Land braucht dringend ein Konjunkturprogramm.

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Um Griechenland zu retten, reicht der Rettungsschirm nicht aus, ebenso wenig ein Schuldenschnitt.
Um Griechenland zu retten, reicht der Rettungsschirm nicht aus, ebenso wenig ein Schuldenschnitt.Foto: dpa

Die spinnen, die Griechen. Auf Athens Straßen liegen Obdachlose, den Alten werden die Renten gekürzt, der Mindestlohn soll um fast ein Drittel reduziert werden und überhaupt gibt es kein Geld für gar nichts. Es sei denn – Panzer. 400 Stück wollen die amerikanischen Freunde den griechischen Generälen überlassen, angeblich eine Schenkung. Und Panzer kann der Grieche nie genug in der Kaserne haben. Demnächst könnte ja der Türke kommen. Die Nachbarn gehören übrigens beide zur Nato, in der, gemessen an der Wirtschaftsleistung, kein Land (außer den USA) mehr für Kriegsgerät und Soldaten ausgibt als Griechenland. Das ist ein tolles Stück und ein wunderbarer Stoff für die Stammtische: Lassen wir doch die Griechen endlich pleitegehen, den Euroraum verlassen und sich selbst sanieren.

Nein. Weil die Folgen noch immer nicht kalkulierbar sind und weil die Solidarität der Euro-Partner ein hohes Gut ist auch für die langfristige Stabilität der Währung. Aber die Uhr tickt wieder für die bettelarmen Griechen, wenn in diesen Tagen in Athen mit privaten (Banken, Versicherungen, Hedgefonds) und öffentlichen Geldgebern (Euro-Länder, IWF, EZB) verhandelt wird. Schon wieder!

Die Rettung Griechenlands ist ein zähes Unterfangen. Das kann auch nicht anders sein, denn es geht um viel Geld, und solche Angelegenheiten sind „nicht trivial“, wie die deutsche Bundeskanzlerin anmerkt. Die Schulden Griechenlands bei privaten Geldgebern sollen um rund 100 Milliarden Euro reduziert werden, indem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Kredite verzichten. Das funktioniert zum Beispiel über Umschuldungen: Alte und für Griechenland sehr teure Anleihen werden in neue, billigere umgetauscht. Und schon sind viele Milliarden im Spiel: Die Banken wollen für die neuen Anleihen/Kredite fünf Prozent Zinsen, die Euro-Länder, angeführt von Angela Merkel, hätten gerne drei Prozent. Der Unterschied macht Milliarden aus.

Die Griechen selbst würden vier Prozent zahlen, und da die Wahrheit in der Mitte liegt, ist das vermutlich auch gar nicht so abwegig. Und wäre doch vielleicht ein Kompromiss zulasten Dritter: Denn wenn es eng wird in den nächsten Jahren und die Kredite nicht bedient werden können, werden die Athener Politiker vor allem an die Türen ihrer Partner klopfen: Deutschland, Frankreich und die anderen Euro-Länder. Das weiß auch Merkel.

Die Partnerländer selbst lassen von der Troika jetzt wieder die aktuelle Kassenlage und den Stand der Strukturreformen in Athen beurteilen. Und dabei werden sie die Warnung von Standard & Poor’s im Gepäck haben, dass die Krisenländer dabei sind, sich totzusparen. Derweil kündigen Deutschland und Frankreich Impulse für Wachstum und Beschäftigung an. Wenn es dafür nicht zu spät ist. Das kostet wieder Geld, keine Frage, aber wie haben wir denn hierzulande die Finanzkrise 2008/09 bewältigt? Mit massiven Ausgaben für Konjunkturprogramme, Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie. Für neue Panzer eher weniger.

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