Griechenland : Wer mit dem Wald spielt

Seit Jahrzehnten versäumen griechische Regierungen, das Land gegen Brände zu wappnen. Selbst eigens von der EU bereit gestellte Gelder wurden nicht abgerufen.

Gerd Höhler
Brände
"Wo Wald war, wird auch wieder Wald sein": Griechenland brennt. -Foto: AFP

Das beispiellose Inferno, von dem Griechenland heimgesucht wird, hat viele Ursachen. Ohne die Rekordhitze dieses Sommers, ohne die Sturmwinde, die in den vergangenen Tagen über Griechenland hinwegfegten, hätten die Brände nicht dieses Ausmaß erreicht. Aber die Katastrophe offenbart auch schwere Versäumnisse, für die alle Regierungen der vergangenen Jahrzehnte Mitverantwortung tragen.

Traditionell werden die wenigsten griechischen Wälder bewirtschaftet. Den Forstverwaltungen fehlt es an Geld, Gerät und Personal. Man lässt das Unterholz einfach wuchern, meistens gibt es nicht einmal Brandschneisen oder wenigstens Wirtschaftswege für die Feuerwehr. Die EU hat Griechenland 24 Millionen Euro für den Brandschutz in den Wäldern bereitgestellt. Aber die Gelder wurden seit 2002 nicht abgerufen.

Brandstifter, die mit einer Lunte „wertlosen“ Wald in lukrativen Baugrund zu verwandeln versuchen, haben deshalb leichtes Spiel. Auch dass es in Griechenland als einzigem EU-Land immer noch kein Kataster, kein nationales Grundbuch gibt, erleichtert Bodenspekulanten das Geschäft. Sie können hoffen, dass ihre Rechnung aufgeht. Denn die Erfahrung zeigt: Nach einer Schamfrist von einigen Jahren wird abgebranntes Waldland häufig zur Bebauung freigegeben, vor allem wenn man mit einem Umschlag mit Geldscheinen bei den Beamten der Baubehörde etwas nachhilft. Deshalb ist es nicht besonders überzeugend, wenn Regierungschef Kostas Karamanlis nun kategorisch versichert: „Wo Wald war, wird wieder Wald sein.“ Karamanlis tut das, was Politiker in Krisenzeiten tun, zumal wenn Wahlen bevorstehen: Er eilt von einer Krisensitzung in die nächste, legt die Krawatte ab und bereist die Katastrophenregion, studiert medienwirksam in den Einsatzzentralen Landkarten und Lagepläne, hält staatstragende Reden und verspricht den Opfern des Infernos rasche Hilfe. Aber das haarsträubende Chaos bei der Brandbekämpfung kann der Regierungschef damit ebenso wenig überspielen wie die Versäumnisse im Vorfeld.

Die Katastrophe hat bisher 63 Menschen getötet und tausende Familien um ihre Existenz gebracht. Mit Hilfsgeldern kann man die abgebrannten Häuser zwar wieder aufbauen. Aber die ökologischen Schäden sind irreparabel. Griechenland muss deshalb alles tun, damit sich eine solches Desaster nicht wiederholt. Und die Hilfe des Auslandes darf sich nicht auf die Entsendung von Löschflugzeugen und Hubschraubern beschränken, wie sie jetzt zum Glück aus vielen Ländern Europas in Griechenland eintreffen.

Alle Mittelmeerländer leben mit der Waldbrandgefahr. Sie sollten deshalb gemeinsam mit den anderen EU-Staaten überlegen, wie man bei der Bekämpfung solcher Katastrophen enger zusammenarbeiten kann. Dazu könnte der gemeinsame Aufbau einer multinationalen Flotte von Löschflugzeugen gehören, auf die im Brandfall alle beteiligten Länder zurückgreifen können. Wenn die Flammen gelöscht sind, braucht Griechenland aber vor allem Hilfe beim Aufbau einer schlagkräftigen, flächendeckenden Feuerwehr und eines effizienten Katastrophenschutzes. Angebote dazu gibt es bereits, zum Beispiel vom Deutschen Feuerwehrverband und vom Technischen Hilfswerk. Hoffentlich lassen sich die Griechen helfen.

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