Griechenland : Zeit der Verführer

Griechenland geht erneut zur Wahl. Doch dass der zweite Urnengang innerhalb weniger Wochen zu klaren Mehrheitsverhältnissen führt und die Bildung einer stabilen Regierung zulässt, ist nicht sicher. Trotz immer neuer Milliardenhilfen rutscht das Land ständig tiefer in die Rezession. Die Konjunkturdaten sprechen eine deutliche Sprache: Um 6,2 Prozent brach das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal gegenüber dem ohnehin schon schwachen Vorjahr ein. Um fast ein Fünftel wird die Wirtschaftsleistung vom Beginn der Krise bis zum Ende dieses Jahres geschrumpft sein, und ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Der Absturz vereitelt nicht nur die Sanierung der Staatsfinanzen. Er treibt auch immer mehr Menschen ins Elend. Tag für Tag gehen rund 900 Jobs verloren, das Arbeitslosengeld von 360 Euro wird höchstens ein Jahr lang gezahlt. Weil es in Griechenland keine Sozialhilfe oder eine Grundsicherung wie Hartz IV gibt, ist es ein kleiner Schritt von der Arbeitslosigkeit in die Armut. Fast 700 000 Menschen haben kein eigenes Einkommen mehr. Eltern liefern ihre Kinder in Waisenhäusern ab, weil sie nicht mehr für deren Unterhalt aufkommen können. Eine Politik, die solche Folgen hat, ist gescheitert. Und Menschen in Not sind empfänglich für Verführungen. Deshalb haben politische Rattenfänger jetzt Hochkonjunktur in Griechenland. öhl.

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