Griechenland : Zwei Polizisten, eine Wahl

Wenn Kanzlerin Merkel und der niederländische Euro-Gruppenchef Dijsselbloem gleichzeitig die Reformfortschritte Griechenlands loben und vom Ende der Geduld mit den Kreditnehmern in Athen sprechen - dann erinnert das an Verhöre mit verteilten Rollen sowie "guten" und "bösen" Polizisten, wie man sie aus dem Kino kennt.

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Geht hart mit Athen ins Gericht: Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.
Geht hart mit Athen ins Gericht: Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.Foto: AFP

Es erinnert ein wenig an den Auftritt des bösen und des guten Polizisten, die den Delinquenten nacheinander in die Mangel nehmen. Oder wie soll man es sonst bewerten, wenn der niederländische Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem und Bundeskanzlerin Angela Merkel fast zeitgleich ziemlich unterschiedliche Dinge über die Fortschritte Griechenlands auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und verstärkter Haushaltskonsolidierung sagen?

Während Dijsselbloem der Ansicht ist, dass vielen Finanzministern in der Euro-Zone allmählich die Geduld mit Athen ausgeht, sieht die deutsche Regierungschefin gemeinsam mit ihrem griechischen Amtskollegen Antonis Samaras das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels. Man muss beide Äußerungen als Taktik begreifen: Einerseits will Merkel den griechischen Premier ermutigen, den mühevollen Reformweg weiterzugehen. Andererseits wollen die Geldgeber – und das bringt Dijsselbloem zum Ausdruck – ihre strikten Auflagen keinesfalls ändern, selbst wenn Samaras inzwischen vorzeigbare Erfolge bei der Haushaltspolitik vorweisen kann. Die Rechnung haben die Geldgeber aber möglicherweise ohne den Wirt gemacht – in Gestalt der griechischen Bevölkerung, die im Mai gleich mehrfach zur Wahl aufgerufen ist.

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