Griechenlands Finanzen : Notfalls das Seil kappen

Soll jeder Staat in Europa, der leichtfertig haushaltet, eine zweite Chance erhalten? Im Falle Griechenlands könnte das der Beginn eines kollektiven wirtschaftlichen Ruins sein.

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Niemand erwartet von Onkeln, Tanten, Schwestern und Brüdern, dass sie sich wegen der finanziellen Abenteuer eines Verwandten ruinieren. Nicht einmal Eltern haften für ihre volljährigen Kinder. Natürlich kann man sich fragen, ob man zur Wahrung der Familienehre (ja, so etwas gibt es tatsächlich) und um den guten Namen nicht in der Öffentlichkeit zu beschmutzen, Opfer auf sich nimmt. Aber die eigene Pleite gehört sicherlich nicht dazu.

Es gibt ernste Zweifel, ob Griechenland mit den 45 Milliarden Euro, die die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds bereitstellen wollen, tatsächlich geholfen werden kann. Finanzanalysten rechnen damit, dass sich in wenigen Wochen das nächste Loch auftun wird, dass insgesamt fast 200 Milliarden Euro benötigt werden, um das Mittelmeerland aus dem Gestrüpp der eigenen Lügen über seine wirtschaftliche Situation zu befreien. So wie der Einzelne, straffällig gewordene, ein Recht auf Resozialisierung hat, dürfen auch leichtfertig haushaltende Staaten hoffen, eine zweite Chance zu bekommen. Im Falle Griechenland könnte das aber der Beginn eines kollektiven wirtschaftlichen Absturzes sein. Andere Maßnahmen, wie ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, mögen einem, wegen möglicher negativer Folgen für deutsche Banken und das Ansehen der Gemeinschaftswährung, als zu weitgehend erscheinen. Aber undenkbar ist so etwas nicht, sollte es jedenfalls nicht sein, genauso wenig wie eine Umschuldungsaktion. Schließlich hat weltweit jedes Geldinstitut, das griechische Staatsanleihen angeregt und gekauft hat, gewusst, dass es zwischen der hohen Verzinsung und dem Risiko einer Pleite des griechischen Staates einen Zusammenhang gibt.

Unter einer solchen Umschuldung würden natürlich auch deutsche Banken, an denen der Staat beteiligt ist, leiden. Aber die Institute selbst, die die Betrügereien des griechischen Staates über viele Jahre hinweg augenzwinkernd mitmachten, weil sich so schön daran verdienen ließ, müssten eben auch bluten. Das wäre lehrreich. In Notsituationen gilt, dass man ein Rettungsseil kappt, wenn die Helfer selbst in Lebensgefahr kommen.

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