Meinung : Größer ist besser

Warum sich der Klub der führenden Industrienationen reformieren sollte

Ingrid Müller

Von Tony Blair mag man denken, was man will, aber die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen sollten doch über seinen Vorschlag nachdenken, die G 8 zu erweitern. Zum Klub gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die USA sowie Russland mit Sonderstatus. Blair möchte auch Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika aufnehmen.

Kritiker wenden ein, die Gruppe sei längst zu groß, die Ergebnisse oft reine Lippenbekenntnisse. Doch niemand will bei den Runden fehlen. Während der Treffen guckt die Welt jedes Jahr sehr aufmerksam darauf, was die Herrschaften machen. Wer die aufstrebenden Nationen auf die so genannten G 20 verweist, verschweigt, dass sich dort nur die Finanzfachleute treffen. Und auch wenn G 8 immer wieder als ein Wirtschaftstreffen gehandelt wird, zusammen kommen dort mächtige Politiker starker Wirtschaftsnationen, im Mittelpunkt stehen mehr und mehr politische Themen. Der Nahe Osten, Irans Atomprogramm, Terror, Klimawandel, Energieversorgung – da geht es nicht nur um Preise und Märkte, sondern auch um die künftige Entwicklung der Welt. Genau bei diesen Themen sind die von Blair genannten Staaten ebenfalls wichtig. In St. Petersburg waren sie Gäste, Gespräche mit ihnen aber gab es nur fast unbemerkt am Rande. Doch mit Blick auf die Welthandelsorganisation beispielsweise geht ohne sie nichts.

So gesehen, wirken die G 8 antiquiert, längst sind China, Indien und Brasilien ökonomisch an Kanada und Italien vorbeigezogen. Russland sitzt auch nicht wegen Wirtschaftsleistung oder ausgefeilter Demokratie mit am Tisch. Ein Blick auf die Geografie zeigt: Die G 8 sind vor allem ein Westklub.

Was aber tun Staaten, die sich an den Katzentisch abgeschoben fühlen? Sie suchen sich andere Bündnisse, im schlechtesten Fall Gegenbündnisse. Angesichts der Lage in der Welt wäre es aber gescheiter, die aufstrebenden und bevölkerungsstarken Nationen einzubinden, anstatt sie jedes Jahr wie die armen Verwandten vor den Kopf zu stoßen. Deshalb wäre es geschickt, mit Südafrika auch diesen Kontinent einzubinden. Niemandem dürfte entgangen sein, dass Irans Präsident Ahmadinedschad in der Schanghai-Gruppe Kontakte zu China, Indien und Russland sucht und sich beim Gipfel der Afrikanischen Union als eine Art Mitstreiter der Entrechteten präsentierte.

Wenn es in der UN-Vollversammlung oder im UN-Sicherheitsrat nicht vorangeht, könnten die G 8 mit neuen Assoziierten einen alternativen Klub der Wichtigen schaffen. Die müssen sich dann allerdings gegenseitig auf die Finger schauen – in den G 7 taten sich einst Demokratien zusammen. Da hat Russland erhebliche Defizite, China ist weit davon entfernt.

Wird die Gruppe größer, muss sie sich reformieren. Das heißt: Konzentration auf wenige Topthemen. Nächstes Jahr hat Deutschland den G-8-Vorsitz. Angela Merkel könnte diese Reform voranbringen: mehr Inhalt, weniger Show.

0 Kommentare

Neuester Kommentar