Großbritannien : Beide Beine draußen

Zu Hause wird David Cameron als britische „Bulldogge“ gepriesen und mit Churchill-Zigarre gezeigt. Mit einem Schlag hat er seine seit 25 Jahren beim Thema Europa gespaltene Partei geeint. Er weiß auch die Mehrheit der Briten hinter sich. Seine liberaldemokratischen Koalitionspartner sind dagegen außer sich vor Wut. Großbritannien werde „zum einsamen Mann Europas“, warnt sein Stellvertreter Nick Clegg. Aber nach der neuesten Umfrage wurden Cleggs Liberaldemokraten von der UK Independence Partei (UKIP), den Europa-Gegnern, zum ersten Mal überholt. Einen Bruch der Koalition kann er sich also nicht leisten. Sieht es aus europäischer Sicht aus, als hätten sich die Briten ins Abseits manövriert, haben die Briten das Gefühl, hinausgeworfen worden zu sein. 25 Jahre saßen sie auf dem europäischen Zaun und ließen als feurige Anhänger des einheitlichen Marktes ein Bein in der EU baumeln, das andere blieb mit der entschlossenen Verweigerung des Euro außerhalb des europäischen Projekts. Premiers von Margaret Thatcher bis Tony Blair hatten ein Veto immer wieder vermieden – aber letztlich war Camerons Veto beim Brüsseler Gipfel das logische Ergebnis dieser Politik. In der Krise scheint für britischen „Exzeptionalismus“ kein Platz mehr. mth

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