Meinung : Großbritannien und die EWU: Blairs Kabinett: Ein Damenopfer für den Euro

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Das kingt nicht unbedingt nach der "Euroskepsis", die dem neuen britischen Außenminister nachgesagt wird: "Unser gutes Verhältnis zu Europa hat uns große Vorteile gebracht und wird weitere bringen". Das sagte Jack Straw bei seinem Amtsantritt. Dabei lobte er überschwänglich seinen Vorgänger Robin Cook, der überraschend auf ein pompös klingendes aber politisch bedeutungsloses Amt im Parlament von seinem Posten weggelobt wurde. Die europafeindliche Massenpresse triumphiert über die Entlassung - ohne Blairs geschickten Schachzug mit dem "Damenopfer" von Robin Cook zu bemerken. Der Machtwechsel im Außenministerium von dem betont europafreundlichen Cook zu dem "Hardliner" Jack Straw bereitet den britischen Beitritt zur Währungsunion vor. Nach dem Desaster der Konservativen, die sich wieder blind über die Europa-Klippe stürzten, kann Blair hoffen, dass er den lange hinausgezögerten Volksentscheid gewinnt. Die Briten, die vor den Wahlen noch zu 70 Prozent den Tausch von Pfund und Euro strikt ablehnten, glauben jetzt in der Mehrheit, dass dies unvermeidlich sein wird. Blair muss bei den Verhandlungen jedoch den Eindruck erwecken, dass ihm dabei allein das "nationale Interesse" leitet und nicht die "Europaschwärmerei", der Robin Cook bezichtigt wurde. Dessen nüchterner Nachfolger Jack Straw hat sich als Innenminister den Ruf von Härte und Unerbittlichkeit erworben und läuft kaum Gefahr, als "Speichellecker von Berlin und Brüssel" diffamiert zu werden. Vor allem hat Blair nun den Freiraum, ohne Fraktionen im Kabinett seine Differenzen mit Schatzkanzler Brown über den Euro zu bereinigen. Brown will bessere fiskalische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Cook und Wirtschaftsminister Stephen Byers drängten jedoch zu Browns Ärger auf einen schnellen Euro-Beitritt. Nun sind beide weg - und damit auch die Spaltung des Kabinetts in dieser Frage.

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