Meinung : „Großbritannien verdient etwas Besseres“

Matthias Thibaut

Das Timing hätte nicht besser sein können. Während sich zu Hause nach Tony Blairs Rücktrittsankündigung die regierende Labourpartei zerfetzte, reiste der Chef der britischen Konservativen durch Indien und trug auf der Stirn den roten Punkt, der bei den Hindus Glück und Zufriedenheit bedeutet.

Die „special relationship“ mit Indien scheint Cameron erfolgversprechender als Kontroversen um das Bündnis mit den USA, die Labour so schadeten, oder der Europastreit, der seinen konservativen Vorgängern das Genick brach. Er gab sogar ein paar Einblicke in die neue Tory-Philosophie. „Die untersten Sprossen der Leiter von der Armut zum Wohlstand müssen repariert werden“, ließ er aus Neu-Delhi verlauten. Zum Blutbad in der Labourpartei musste er gar nicht viel sagen. „Unsere Soldaten kämpfen im Ausland, zu Hause haben wir Terrordrohungen. Großbritannien verdient etwas Besseres“. Es läuft genau, wie es Cameron vorschwebte. Die Labour-Genossen haben Blair noch nicht einmal vor die Türe komplimentiert, da wird schon um die Tauglichkeit von Gordon Brown gestritten, den sie an seine Stelle setzen wollen.

Schatzkanzler Brown ist Camerons Traumgegner. In seinem ersten Parlamentsauftritt nannte er ihn eine „Straßensperre für Reformen“ und lobte Blair als heimlichen Erben Frau Thatchers über den grünen Klee. So wie Blair damals die Labourpartei zwang, die Grundprinzipien Frau Thatchers zu akzeptieren, diktiert der 39-jährige Cameron nun seiner Partei die von Blair eingeschlagene Richtung: Mehr öffentliche Investitionen, die Verantwortung des Staates für gute Dienstleistungen, garniert mit modernen Themen wie dem Umweltschutz.

Deshalb wissen auch fast alle Briten, dass die Camerons sich einen Windgenerator aufs Dach setzen lassen wollen. Das Familienreihenhaus in Notting Hill bauen sie gerade behindertengerecht um. Sohn Ivan ist cerebral gelähmt, auch das weiß man. Cameron scheut sich nicht, seine Familie zur Imagepflege einzusetzen. Das tut auch Brown, aber die Briten trauen dem Eton-Schüler Cameron aus der Oberklasse doch eher zu als dem weltfremden schottischen Pfarrersohn, dass er weiß, wo bei ihnen der Schuh drückt. Auch deshalb schlägt Cameron Brown in den Umfragen. Politisch Unentschlossene lassen sich von seinem Charme verführen – erst recht Frauen: Schon sechs Prozent haben sich nach einer „Sunday Times“-Umfrage von Labour ab- und Camerons Tories zugewandt.

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