Meinung : Grün wächst auch ohne Grün Die CDU will weniger Öko – das ist unrealistisch

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Von Dagmar Dehmer

Vorreiter will Peter Harry Carstensen nicht mehr sein, jedenfalls kein ökologischer. Und das, obwohl ihn Edmund Stoiber auf einem Reiterhof als Mitglied im Kompetenzteam der Union vorgestellt hat. Mit der einseitigen Förderung des ökologischen Landbaus soll es jedenfalls vorbei sein, falls er auf dem Chefsessel im Verbraucherministerium, das dann wieder Landwirtschaftsministerium hieße, Platz nehmen sollte.

Mit der einseitigen Förderung meint er vermutlich das Bundesprogramm ökologischer Landbau, mit dem Verbraucherministerin Renate Künast nicht kleckern, sondern klotzen wollte. Sie stellte für die Jahre 2002 und 2003 dafür jeweils knapp 35 Millionen Euro zur Verfügung. Offenbar mit Erfolg. Denn die Zahl der Öko-Bauern wächst trotz des Nitrofen-Skandals weiter. Allerdings haben die Öko-Bauern ihren Nimbus, auf jeden Fall die besseren Lebensmittel zu erzeugen, verloren. Zwar glauben ihnen die meisten Verbraucher, dass sie mit ihrer Produktion die Umwelt weniger schädigen als mit der konventionellen Wirtschaftsweise. Doch dass die Produkte auch gesünder sind, das wird inzwischen bezweifelt.

Dass Renate Künast den Öko-Landbau aus seiner Nische von derzeit 3,7 Prozent der Fläche herausholen und bis 2010 auf einen Anteil von 20 Prozent bringen will, kommt jedenfalls nicht überall gleich gut an. Auch nicht bei allen Öko-Bauern. Schließlich wächst die Konkurrenz mit dem Markt – seit einigen Jahren sogar zweistellig.

Künasts Gegenkandidat Carstensen hält die Strategie, die Nachfrage zu erhöhen, jedoch für realitätsfern. Er setzt sich deshalb konsequenterweise auch dafür ein, dass die Öko-Branche klein, fein und unter sich bleibt. Das mag für einige wenige Bauernhöfe komfortabel sein. Zukunftsträchtig ist es allerdings nicht. Denn der Trend geht in Richtung Öko-Anbau. Nicht nur in Deutschland. In der gesamten EU und in den USA steigt die Nachfrage nach umweltverträglich erzeugten Lebensmitteln. Die Brüsseler Agrarsubventionen sollen zudem künftig auch nur noch dann fließen, wenn die Bauern höhere Umweltauflagen einhalten – womit der Öko-Landbau kein Problem hat.

Stoibers Schattenminister Carstensen kann ja gar nicht dahin zurück, wo Renate Künast begann. Sein Versprechen, zur „guten alten Zeit“ zurückzukehren, hat ja auch nur einen einzigen Zweck: Die Bauern sollen am 22. September ihr Kreuz bei der Union machen. So wie die meisten das in der Vergangenheit schon immer gemacht haben – ganz ohne Carstensen.

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