Grüne : Die Renate, die kann kämpfen

Renate Künast wollte Bundestagsvizepräsidentin werden. Doch ihre Partei zog Claudia Roth vor. Es ist eine weitere bittere Niederlage für die Vollblutpolitikerin - aufgeben wird sie wohl trotzdem nicht.

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Kann kämpfen, hat trotzdem verloren: Renate Künast. Foto: dpa
Kann kämpfen, hat trotzdem verloren: Renate Künast.Foto: dpa

Zum Schluss zog Renate Künast ihre Bewerbung für das Amt der Bundestagsvizepräsidentin zurück. Ein paar Minuten später nominierte die Grünen-Fraktion am Dienstag Claudia Roth als ihre Kandidatin. So unterlag die Ex-Fraktionschefin der scheidenden Parteichefin. Noch am Abend zuvor hatte sich Künast auf einem Treffen des Realo-Flügels beschwert, man habe der Parteilinken Roth arg früh das Signal gegeben, sie könne den Posten haben. Nach Roth hatte zunächst auch Künast eine Kandidatur angekündigt. Aber da war schon der „Abwägungsprozess“ im Gange, wie ein Spitzenpolitiker sagt. Im Parteijargon: Die Claudia, die das grüne Herz wie kaum eine andere Grüne verkörpert, soll nicht beschädigt, sondern belohnt werden. Und die Renate, die kann kämpfen. Ihr Karriereende bedeutet das nicht.

Die 57-jährige Renate Elly Künast ist eine Vollblutpolitikerin, die mit Mitte 20 politisch aktiv wurde. 1985 begann sie ihre erste Rede im Abgeordnetenhaus mit den Worten: „Meine wenigen Damen! Meine zahlreichen Herren!“ Das war nicht nur eine Kampfansage gegen herrschende Verhältnisse. Widerstände überwinden, kämpfen, auch wenn dies enorm Kraft kostet, ist das Muster, das sich durch Künasts Leben zieht. So war es im Elternhaus, so ist es in der Politik. Das Wort „Kampf“ dürfte eines der häufigsten Worte sein, die Künast verwendet. „Ich bin Fischer-Schule. Gekämpft wird bis zum letzten Tag.“ Und: „Ich bin ich. Ich habe mein Leben und meine Erfahrungen. Ich musste um alles kämpfen. Ich will gar nicht so werden wie andere.“ Das sagte sie, als sie während des Wahlkampfs zur Abgeordnetenhauswahl 2011 in der Bundespressekonferenz saß, neben Winfried Kretschmann, dem grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Lernen von ihm wollte sie ausdrücklich nicht. Den Kampf um das Amt des Regierenden Bürgermeisters verlor sie dann haushoch.

Künast kann kratzbürstig sein, sie ist beratungsresistent, aber sie hat ein sehr feines Gespür für den richtigen Augenblick in der Politik. Die Ex-Verbraucherschutzministerin will sich künftig wieder in die Verbraucherschutz- und Agrarpolitik stürzen. Sollten die Grünen den Zuschlag für den Vorsitz dieses Ausschusses bekommen, wäre Künast erste Wahl. Zumal dieser Vorsitz nach dem Ausscheiden der FDP vakant ist. Und sollten die Grünen wieder mal regieren, wäre Künast immer noch ministrabel – hinter Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt.

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