Grüne fordern Tempo 30 in Berlin : Fahren lernen mit Künast

Renate Künast will mit Tempo 30 für die ganze Stadt Berlin Wahlkampf machen. Ihre Offenheit verdient Anerkennung, weil sich die autofahrenden Leute in den vergangenen zehn Jahren mit einer klammheimlich praktizierten Antiverkehrs-Verkehrspolitik abfinden mussten.

von

Den Grünen ist die Lust an der Provokation mit zunehmendem Alter nicht vergangen. Renate Künast will mit Tempo 30 für die ganze Stadt Berlin Wahlkampf machen. Ihre Offenheit verdient schon deshalb Anerkennung, weil sich die autofahrenden Leute in den vergangenen zehn Jahren mit einer klammheimlich praktizierten Antiverkehrs-Verkehrspolitik abfinden mussten. Da wurden grüne Wellen gebrochen, damit alles etwas länger dauert, da werden teure Planungsprozesse nur pro forma fortgesetzt, um – Beispiel A100 – Entscheidungen zu vermeiden, die in der SPD zu neuem Streit führen. Dass Künast sich an Tempo 30 herantraut, ist auch deshalb mutig, weil die Grünen mit einer ähnlichen Ansage böse Erfahrungen gemacht haben: mit der 1998 erhobenen Forderung „Fünf Mark für den Liter Benzin“. Das kam nicht gut an. Aber die Zeiten ändern sich, und Künast hat recht, wenn sie sagt, dass man tagsüber in Teilen der Stadt froh sein kann, wenn es für Tempo 30 reicht (und einem nicht noch ein Radfahrer in der Pose des besseren Menschen signalisiert, dass man als Autofahrer aus Prinzip alles falsch macht). Der Streit um Tempo 30 würde sich lohnen, wenn die Grünen transportieren, dass dies keine verkappte Umerziehungsmaßnahme ist, dass sie denen, die das wollen, das Autofahren nicht noch schwerer machen und dass man Verkehr auch sinnvoll beschleunigen kann. Das aber müssen sie schaffen.

23 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben