Grüne Gentechnik : Gentechnisch befreite Zone

Triumph der Unvernunft: Die Pflanzen-Biotechnik zieht sich aus Deutschland zurück.

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Umstrittene Kartoffel - Die gentechnisch veränderte BASF-Sorte "Amflora" hatte es schwer in Europa.
Umstrittene Kartoffel - Die gentechnisch veränderte BASF-Sorte "Amflora" hatte es schwer in Europa.Foto: dpa

Es war ein Kampf, der für BASF nicht zu gewinnen war. Das Unternehmen hat lange versucht, gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem europäischen Markt durchzusetzen. Aber die Gegner der Pflanzen-Biotechnik waren mächtiger. Nun ist die Saat der Angst aufgegangen. BASF zieht die Notbremse und lagert die Sparte dahin aus, wo die grüne Gentechnik Zukunft hat: nach Amerika. Nur an wenigen Stellen werden hierzulande noch transgene Pflanzen angebaut. Bald ist der deutsche Acker gentechnikfrei, Greenpeace und Foodwatch sei Dank, die böse Biotechnik mit Stumpf und Stiel ausgerottet oder vertrieben.

In der Kampagne gegen die grüne Gentechnik haben nicht Argumente gesiegt, sondern eine irrationale Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit. Es ist nicht ohne Ironie, dass die Pflanzen-Biotechnik gerade in dem Land auf die größte Ablehnung trifft, in dem sie einst entwickelt wurde, nämlich am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln.

Die Methode ermöglicht es, Pflanzen mit erwünschten Eigenschaften rascher und zielgerichteter als mit herkömmlichen Verfahren zu erzeugen. Pflanzen, die mehr und bessere Erträge bringen, die Schädlingen, Hitze, Trockenheit oder Salz trotzen. In einem übersättigten Land wie Deutschland mag das überflüssig klingen. Aber jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um 200.000 Menschen, und der Klimawandel bringt immense Herausforderungen. Die Pflanzen-Biotechnik ist ein wichtiges Instrument, um die Zukunft zu meistern. Bei der Pflanzenzucht brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Wissenschaft.

Was in Deutschland um die grüne Gentechnik veranstaltet wurde, grenzt an absurdes Theater. Zunächst behauptete man, die Pflanzen würden krank machen. Als sich dafür keine Anhaltspunkte fanden, wurden die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen verschärft. Das führte dazu, dass nur noch große Unternehmen genug Geld hatten, um sich im Paragrafendschungel zu behaupten. Prompt klagte man, nur Multis seien am Markt. Um sie von diesem fernzuhalten, erfand man die Mär von der bedrohten Gen-Freiheit herkömmlicher Pflanzen, die „kontaminiert“ werden könnten. Und verschwieg dem Verbraucher, dass auch konventionelles Grünzeug Gene enthält. Das genetische Reinheitsgebot verlangsamte den Fortschritt, womit ein neues Argument gegen die Gentechnik auftauchte: Wo ist denn hier der Fortschritt? Als auch das nichts half, zerstörte man die Felder. Weil sich aber keine stichhaltigen Belege für ökologische Schäden durch die Gentechnik fanden, mussten am Ende der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht mit fortschrittsfeindlichen Urteilen nachhelfen.

Auch die Politik wechselte klammheimlich die Seiten. Heute will selbst die Union nichts mehr von der grünen Gentechnik wissen, denn Stimmen kann man mit ihr nicht gewinnen. Man schwelgt stattdessen in Bio-Euphorie. Dass es Bio-Sprossen waren, die 2011 eine verheerende Epidemie mit einem tödlichen Ehec-Erreger auslösten – nun ja, Schwamm drüber.