Grüne Gentechnik : Rein in die Kartoffeln

Mit diesem Satz hat Renate Künast die CSU-Turbulenzen bei der grünen Gentechnik auf den Punkt gebracht: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Ein klarer Unionskurs ist nach den jüngsten Beschlüssen von Agrarministerin Ilse Aigner weniger denn je auszumachen.

Das hängt auch damit zusammen, dass das Fachpolitische hier längst mit dem Partei- und Machtpolitischen verschmolzen, wenn nicht gar dahinter zurückgetreten ist. Hinzu kommt Psychologie: Mit dem Genmais-Verbot beugte sich Aigner noch dem allmächtigen Parteichef Horst Seehofer, mit der Erlaubnis des Genkartoffel-Anbaus begehrt sie gegen ihn auf. Es wird sich zeigen, welche Sanktionen der verärgerte Übervater für solche Eigenmächtigkeit bereithält. Zwar geht es im ersten Fall um kommerziellen Anbau, im zweiten nur um Forschung. Doch entscheidend ist das Signal. Seehofer hat eine schwierige Europawahl zu bestehen, für die Bauern in Bayern ist Gentechnik Teufelszeug. Aigner dagegen sitzt im Bundeskabinett, fühlt sich der Forschung verpflichtet und muss sich emanzipieren. Dass solche Gemengelage guter Politik förderlich ist, ist zu bezweifeln – unabhängig, wie man zur Gentechnik steht. raw

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