Meinung : Grünes Gentest-Gesetz: Die schnellen Konservativen

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Die deutsche Politik hat mit der Gentechnik eine brisante Herausforderung entdeckt. Die Grünen haben sie früher wahrgenommen als andere. Sie waren nicht nur die Ersten, die Antworten auf die ethischen Fragen gaben, sie sind nun auch die Ersten, die praktische Lösungen zum Schutz vor dem Missbrauch von Gentests vorschlagen. In dem Versprechen, die Gesundheit eines Menschen vorherzusagen oder bestimmte Eigenschaften aufzudecken, liegt eine große Versuchung. Das gilt nicht nur für die Versicherungswirtschaft, die gern zwischen teuren Risikopatienten und begehrten Gesunden unterscheiden würde. Auch jeder Einzelne steht in dieser Versuchung: Will ich alles wissen, was ich wissen kann? Und was fange ich mit diesem Wissen an, wenn es zur Bedrohung wird? Die Grünen haben nun eine restriktive Lösung vorgeschlagen: Der Staat schützt in ihrem Gesetzentwurf Menschen davor, sich ohne Vorbereitung Kenntnissen auszuliefern, die für sie und andere von Nachteil sein können. Deshalb ist der Gentest, anders als der Schwangerschaftstest, nicht in der nächsten Apotheke zu haben; deshalb soll die Gendiagnose an strenge Voraussetzungen geknüpft werden. Die Grünen haben sich damit weit von ihrem alten Laster entfernt, einen Menschen nach ihrem Bild zu entwerfen und ihn zu bestrafen, wo er sich nicht an die fortschrittlichen Vorgaben hält. Dies ist ein Gesetz für fehlbare Menschen, grün-konservativ, also: bewahrend.

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