Grünes Wachstum : China kann uns brauchen

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Es ist schon eine absurde Demokratie-Show, die Chinas Kommunistische Partei dieser Tage aufführt: Zur jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses hat die Partei knapp 3000 Delegierte aus dem ganzen Land in Pekings Großer Halle des Volkes zusammengerufen. Damit nicht wieder nur Fotos von grauen Apparatschiks um die Welt gehen, sind mittlerweile viele Gesandte in lokalen Trachten darunter. Vor der Halle, auf dem Tiananmen-Platz, wo die KP vor 22 Jahren laut Rotem Kreuz 2700 Menschen ermorden ließ, posieren nun langbeinige Parteihostessen lasziv für die Presse. Widerstand wird einfach weggesext. Am Rande des Platzes stehen blitzblank polierte Polizeiwagen – Modell VW-Passat.

Dieser Zirkus lenkt davon ab, wie ernst die Lage in der riesigen Volkswirtschaft ist. Sie stößt an die Grenzen des Wachstums. Dass die Partei dies nun offiziell einräumt und konkrete Gegenmaßnahmen ankündigt, ist die eigentliche Sensation. Die KP hatte eine Studie erstellen lassen, die ergab, dass die Industrie des Landes allein 2008 Umweltschäden im Wert von 156 Milliarden Euro verursacht hat. Greenpeace sagt, die Schäden seien sogar doppelt so hoch. Nun will Premier Wen, dass China langsamer wächst, nachhaltiger. Er weiß, dass nicht mehr fast jede Woche ein neues stinkendes Kohlekraftwerk ans Netz gehen kann, um den Stromhunger der Industrie zu stillen.

Chinas KP musste diese Erkenntnis selbst gewinnen, um zu handeln. Sture Chinesen? Wir in Deutschland haben es schon immer gewusst? Nein. Vor 20, auch vor zehn Jahren noch, wurde jeder belächelt, der ein Windrad aufstellen wollte. Binnen weniger Jahre hat die deutsche Industrie aber umgeschwenkt. Deutsche Hersteller gelten heute als technologisch führend im Bau von Anlagen zur sauberen Energieerzeugung. Darin liegt eine große Chance: Deutschland könnte China künftig nicht nur schicke Polizeiautos verkaufen, sondern auch mehr saubere Kraftwerke. Das wäre echter Fortschritt – nicht nur Show.

Seiten 1 und 24

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