Meinung : Grundrecht auf Beweglichkeit

„Eine Seuche“ vom 5. August

Der Kommentar spricht mir aus der Seele! Ein breites Umdenken in der Bevölkerung scheint mir allerdings illusorisch. Lutz Haverkamp hat treffend beschrieben, dass bei der Kalkulation von Reisekosten der Anschaffungspreis und die Reparaturen gerne ausgeklammert werden; ebenso fehlt eine faire Vergleichsrechnung für den Straßenverkehr zur Schiene. Hier werden quasi alle Leistungen auf der Basis von privatwirtschaftlich strukturierten Unternehmen wie GmbH und AG erbracht, die Leistungen müssen „am Markt“ verkauft werden, um damit Umsätze zu erzielen. Aus meiner Sicht werden vor dem Hintergrund eines unnötigen Gezerres um Zuständigkeiten dringend notwendige Investitionen im Eisenbahnverkehr gerade in den Regionen verschlafen (Reaktivierung alter, stillgelegter Strecken etc.); ich hoffe nur, dass sich das nicht in Zukunft „rächen“ wird.

Im Gegensatz dazu nimmt sich der Kfz-Verkehr wie ein gottgegebenes Grundrecht auf Mobilität aus, denn Straßen-Bau, -Erneuerung, -Reparatur etc. werden aus öffentlichen Haushalten bestritten, von den gravierenden Umweltschäden mal ganz abgesehen ...

Es sollte doch eine zu bewältigende Aufgabe für das Verkehrs- oder besser Finanzministerium sein, die jährlich anfallenden, auf den Straßenverkehr bezogenen Einnahmen und Ausgaben wie eine Gewinn- und Verlustrechnung in einem Jahresabschluss gegenüberzustellen. Die jährlich tausenden Verkehrstoten lassen wir einmal außen vor, alles andere wäre zynisch ... und auch die Feststellung, dass sich der Mensch mit seinem Mobilitätsdrang einen natürlichen Feind geschaffen hat.

Anhand einer Kosten-/Erlösrechnung dürfte klar sein, dass bei der Mineralölsteuer noch viel Potenzial nach oben vorhanden ist und die Einführung einer Maut im Allgemeinen und Speziellen für die Innenstädte nach dem Vorbild von London nicht nur erwägenswert, sondern sogar dringend geboten erscheint. Ob wir das noch erleben dürfen? Ich bin Anfang 50 ...

Wolfram Beer, Berlin-Wittenau

Allein die gesellschaftliche Forderung nach ausreichender Mobilität berechtigt zum Autobesitz. Wer das Autofahren verteuern will, schränkt diese ein, und nur wer es sich leisten kann, fährt Auto. Wer nicht, läuft die nächsten 80 Kilometer oder überantwortet sich den Unwägbarkeiten des ÖPNV, so das Fazit des Autors. Er reiht sich damit in die allwöchentlich erscheinenden autoverteufelnden Artikel der fahrradfahrenden Redakteure ein.

Jürgen Mann, Multimobilist

Berlin-Schöneberg

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