Gu Kailai: : „Wegen mir ist eine Tragödie passiert“

Es ist ein spektakulärer Politkrimi: Gu Kailai, die Frau eines chinesischen Spitzenfunktionärs, hat einen Mord gestanden. Ein Porträt

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Foto: dapd
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Die chinesische Rechtsanwältin Gu Kailai hat einmal in einem Buch das chinesische Rechtssystem gelobt. Weil sie 1995 als erste chinesische Anwältin in einem Prozess in den USA siegte, veröffentlichte sie diese Erfahrung in China unter dem Titel: „Wie man einen Prozess in den USA gewinnt“. In dem Buch schreibt sie, im chinesischen Rechtssystem werde nicht so wie in den USA mit Wörtern gespielt: „Wir haben ein Prinzip, das sich ,auf der Grundlage von Fakten’ nennt. Wenn wir wissen, dass du jemanden getötet hast, wirst du verhaftet, verurteilt und exekutiert.“

Von Gu Kailai weiß man jetzt, dass sie jemanden getötet hat. Zumindest hat sie es vor Gericht gestanden. „Wegen mir ist eine Tragödie passiert“, sagte sie. Ob die 53 Jahre alte Politikergattin dafür allerdings auch exekutiert wird, wird am heutigen Montag von einem Gericht in Hefei verkündet. Beobachter halten statt eines Todesurteils eine lange Gefängnisstrafe für den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood für sehr wahrscheinlich. Weil sie den Mord gestanden hat und weil sie, so lautet das offiziell verkündete Motiv, nach einer angeblichen Drohung Heywoods um die Sicherheit ihres Sohnes Bo Guagua fürchtete.

Schließlich würde ein Todesurteil dem spektakulären Politkrimi nur noch mehr Brisanz verleihen. Und das dürfte von den politischen Verantwortlichen so kurz vor dem heiklen Machtwechsel innerhalb der Kommunistischen Partei im Herbst nicht gewünscht sein.

Video: Todesstrafe für Politiker-Gattin

Gu Kailai ist die zweite Ehefrau des ehemaligen chinesischen Politstars Bo Xilai. Der ehemalige Bürgermeister der westchinesischen Millionenstadt Chongqing büßte im Zuge der seltsamen Mordaffäre und wegen „disziplinarischer Verstöße“ alle Ämter. Seine Frau wird in den Medien gerne als Chinas Jackie Kennedy beschrieben – aufgrund ihres guten Aussehens, ihrer prominenten Herkunft und ihrer exzellenten Ausbildung. Vor Gericht aber erschien sie deutlich übergewichtig, was im Internet Spekulationen über eine Doppelgängerin auslöste. Andere erklären das mit den Medikamenten, die sie gegen Depressionen nimmt.

Viele Beobachter empfanden die nur sieben Stunden dauernde Verhandlung, bei der die Öffentlichkeit weitestgehend ausgeschlossen war, als politisch motivierten Schauprozess. Es sollte offenbar nur die offizielle Version der Ereignisse erzählt werden. Spannend wäre es daher, wenn Gu Kailai auch über diesen Prozess ein Buch schreiben würde – und ob sie darin das Rechtssystem immer noch loben würde.

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