Günther Jauch hört auf : Wo eine Will, da ein Weg

Das ARD-Programm nach Jauchs Abgang: Es gibt einen guten Ersatz, nämlich eine scharfkantige, scharfzüngige politische Gesprächsrunde. Ein Kommentar

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Moderator Günther Jauch bei seiner Talkshow zum Thema "Der Fifa-Sumpf - Wie schmutzig ist unser Fußball?"
Moderator Günther Jauch bei seiner Talkshow zum Thema "Der Fifa-Sumpf - Wie schmutzig ist unser Fußball?"Foto: dpa/Paul Zinken

In der ARD sind sie jetzt erst mal platt. Günther Jauch hört Ende des Jahres mit seiner gleichnamigen Talkshow auf – aber der Sendetermin um 21 Uhr 45 soll der herausgehobene Talkplatz bleiben. Für das Erste gilt die Einheit von „Tagesschau“, „Tatort“ und Talk als unauflöslich. Zu recht, an keinem anderen Wochentag ist die ARD beim Publikum erfolgreicher.

Günther Jauch konnte, als er im September 2011 seine Gesprächsrunde startete, fortsetzen, was erst Sabine Christiansen und dann Anne Will betrieben: eine politische Talkshow. Das Politische wurde mehr und mehr geschrumpft, nicht unbedingt bei den Themen, identifizierbar aber im Moderator. Günther Jauch ist ein Polit-Conférencier, in seiner Verfasstheit und in seiner Fassungslosigkeit die Angela Merkel des deutschen Talkfernsehens. Die CDU-Kanzlerin ist mit ihrem Wohlfühl- Stil im Wahlvolk so beliebt geworden wie der ARD-Talker beim Fernsehvolk.

Zuschauer-Onkel

Jauchs selbstgewählter Abschied zum Jahresende versetzt die ARD in eine überaus komfortable Lage. Die Zahl der wöchentlichen Talks kann von derzeit vier – „Günther Jauch“, „hart aber fair“, „Menschen bei Maischberger“, „Anne Will“ – auf drei abgesenkt werden. 2014 waren es wegen „Beckmann“ noch fünf, seine Absetzung hat noch nicht mal Phantomschmerzen hinterlassen.

Günther Jauch hatte, weil die ARD an diesem Zuschauer-Onkel mindestens so interessiert war wie an dem später im ARD-Vorabend gescheiterten Thomas Gottschalk, „Anne Will“ locker verdrängen können. Am Mittwoch macht die Journalistin, was sie zwischen 2007 und 2011 am Sonntag gemacht hatte: eine politische Talkshow. Journalistische Präzisionsarbeit, scharfkantig, scharfzüngig, in die politischen Prozesse hinein destilliert und nicht aus diesen heraus verwässert.

„Anne Will“ ist Premium-Fernsehen, wie ARD-Programmchef Volker Herres auch 2016 am Sonntag einen „Premium- Anspruch“ erfüllt sehen will. Öffentlich- rechtlicher Premium-Anspruch, das ist erstklassige Information. Information durch die „Tagesschau“, Informationsverarbeitung durch „Anne Will“. Am Sonntag nach dem „Tatort“.

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