Guido Westerwelle : Komplementärstruktur

Joschka Fischer mutierte im Amt zu Hans-Dietrich Genscher. Ist Guido Westerwelle dabei, zu Klaus Kinkel zu werden?

Malte Lehming

Da kommt bereits Mitleid auf. In so kurzer Zeit ist wohl noch nie ein strahlend-stolzer, prägnant-polemischer Parteichef zu einem aalglatten, mit Höflichkeitsfloskeln hantierenden Chefdiplomaten mutiert. Aus Joschka Fischer wurde einst Hans-Dietrich Genscher. Ist Guido Westerwelle dabei, zu Klaus Kinkel zu werden? Der Verdacht drängt sich auf. Den Koalitionsvertrag, von der Union inzwischen genüsslich zerlegt, kann der Außenminister schon aus Zeit- und Abwesenheitsgründen kaum retten. Und in seinem neuen Amt zerren mächtige, vielleicht übermächtige Kräfte an ihm. Da ist zum einen sein Mentor Genscher, der ihm eine Linie vorgibt, die Westerwelle nicht verlassen darf. Da ist, zweitens, die Kanzlerin, neben der für eigene Akzente in der Außenpolitik kein Platz mehr ist. Angela Merkel ist das Gesicht Deutschlands in der Welt, Westerwelle wird allenfalls als ihr Sprecher wahrgenommen. Und da ist, drittens, der neue Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg, ein ausgewiesener Experte in Außen- und Sicherheitsfragen. Die „Süddeutsche Zeitung“ wollte jetzt von ihm wissen, ob Westerwelle eine Art Neben-Außenpolitik zu befürchten habe. Darauf Guttenberg: „Er kann darauf hoffen, dass wir in dieser Regierung Komplementärstrukturen schaffen, wo alle Teile vom jeweils anderen etwas verstehen.“ Übersetzt heißt das: Er wird lernen müssen, uns machen zu lassen. mal

0 Kommentare

Neuester Kommentar