Meinung : „Gute Politik spricht aus, was ist“

Thorsten Metzner

Seine hervorstechendste Eigenschaft ist selten unter Politikern: Günter Baaske gilt als spontaner Typ, direkt, geradeheraus. Der 48-jährige Chef der Brandenburger SPD-Landtagsfraktion formuliert kein gedrechseltes Parteichinesisch. Dass er nicht jedes Wort abwägt, lässt ihn zwar gelegentlich in Fettnäpfe treten. Aber seine offene Art kommt bei den Brandenburgern, bei Genossen an der Basis gut an. Das ist der Grund, weshalb der SPD-Bundesvorsitzende und Ministerpräsident Matthias Platzeck ihn als „heimlichen“ Kronprinzen auserkoren hat, zumindest für den SPD-Landesvorsitz. In der Partei ist es jedenfalls seit Wochen ein offenes Geheimnis, dass der viel beschäftigte Platzeck im Sommer das Amt an Baaske übergeben will, der nach Umfragen längst der zweitbeliebteste SPD-Politiker im Land ist und in der Bekanntheitsskala nach Platzeck und CDU-Chef Jörg Schönbohm an dritter Stelle steht. Sein Credo: „Gute Politik fängt damit an, dass man ausspricht, was ist.“

Gemessen an der kurzen Zeit, ist sein Aufstieg bemerkenswert. Erst 2002 hatte Platzeck den Sozialdezernenten im Landratsamt Belzig als Arbeits- und Sozialminister in sein Kabinett geholt. Und der neue Minister, der zu DDR-Zeiten als Lehrer an einer Gehörlosenschule gearbeitet, in der Freizeit die DDR-Kultband „Keimzeit“ gemanagt und zur Wende in Belzig die Ost-SPD mitgegründet hatte, überraschte als Erstes mit der nassforschen Ansage: Er wolle im neuen Amt „große Brötchen“ backen. Zwar nahm mancher Anstoß, dass Baaske zur Kabinettssitzung im T-Shirt erschien. Bald zollte ihm aber selbst die Opposition Respekt. Nach der Landtagswahl 2004 übernahm Baaske auf Wunsch Platzecks die SPD-Landtagsfraktion, eher widerwillig. Dort machte er sich wegen seines hemdsärmligen Führungsstils nicht nur Freunde. Er sei, so Kritiker, zu oberflächlich, habe konzeptionelle Schwächen. Dennoch versucht Baaske, sein Profil zu schärfen: Er warnte in einem Aufsatz seine Partei, den Kontakt zu Arbeitslosen verloren zu haben, „die zu Hause sitzen und nicht mehr wissen, was sie sich erzählen.“ Seine Diagnose: In Ostdeutschland, aber auch im Westen bilde sich eine neue Unterschicht heraus. Zwar ist der SPD-Landesvorsitz nicht unbedingt eine Vorentscheidung: Wenn er sich im neuen Amt freischwimmt, hat Baaske gute Chancen, Platzeck auch als Ministerpräsident zu beerben, wenn dieser einmal ganz nach Berlin wechselt.

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