Meinung : „Gutes Wetter macht mehr Spaß“

Bernd Matthies

Einer hat ihr, liebestrunken, sogar ein Gedicht gewidmet: „Ich färbte dir den Himmel brombeer mit meinem Herzblut“, heißt es darin. Die Fans diskutieren im Internet ihre Kleidung – Minirock bevorzugt – und das Styling ihrer langen blonden Haare, sie machen sich Sorgen, wenn sie merklich abgenommen hat. Und ihre Einschaltquoten stehen auf dem Niveau von Rennern wie „Verbotene Liebe“. Daraus folgt: Claudia Kleinert ist ein Star, besonders dann, wenn Hitze- oder Kältewellen, Orkane oder Sturzregen ihren Job bei der ARD besonders interessant machen. „Wetterfee“ ist die inoffizielle Bezeichnung ihrer Planstelle – aber sie hasst den Begriff.

Gegenwärtig glüht Deutschland in der Wettergrafik zwar nicht in Brombeer, aber doch tief dunkelorange. Und alle schauen auf sie. „Bleibt das jetzt so?“, fragt praktisch jeder, der sie trifft und erkennt, offenbar in der irrigen Meinung, eine besondere Expertin vor sich zu haben. Das ist sie nicht. Die gebürtige Koblenzerin, heute 36 Jahre alt, hat eine Banklehre hinter sich und ein Betriebswirtschaftsstudium; das mit dem Wetter ergab sich eher zufällig, als sie in den frühen 90ern bei WDR und Wetterkanal zu moderieren begann. Die präzisen Erkenntnisse über Wind und Wolken bezieht sie von Jörg Kachelmann, in dessen Meteomedia-Team sie seit 1999 die Deutschen vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen mit Prognosen versorgt.

Dieser Job sieht leichter aus, als er ist. Denn in den Wochen, in denen sie auf Sendung ist, arbeitet sie in Kachelmanns Wetterzentrale in St. Gallen, ein ganzes Stück entfernt von ihrer Wohnung im Charlottenburger Westend. Ob dieses Arrangement von Dauer ist, wird sich zeigen, denn ihr Lebenspartner Peter Maahn hat seine Position als Pressechef von Daimler-Chrysler in Berlin gerade aufgegeben – er ist nun Chef einer Schweizer Agentur, die Moderatoren und Künstler betreut. Man darf annehmen, dass auch Claudia Kleinert von dieser Konstellation profitiert, denn sie hat in den letzten Jahren viele Galas und Produktpräsentationen moderiert, die oft mit der Autobranche verbunden waren.

Doch am Faible fürs Wetter wird das nichts ändern. Die Fans werden weiter darauf achten, dass ihre Kleidung zur meteorologischen Konstellation passt, und sie wird noch den hässlichsten Landregen mit einem hoffnungsfrohen Lächeln adeln. Eine der schwierigeren Aufgaben, denn ihre Position ist klar: „Gutes Wetter macht mehr Spaß.“

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