Guttenberg beliebter als Merkel : Ein neuer Wert

Dass Karl-Theodor zu Guttenberg so beliebt ist, sagt weniger über ihn aus, als über das Ansehen der Kanzlerin und der politischen Klasse. Aus einem Gefühl heraus setzen die Bürger auf einen viel versprechenden Politiker, der weitgehend unbekannt ist.

Lorenz Maroldt

Dass Karl-Theodor zu Guttenberg, den vor einem halben Jahr kaum jemand kannte und dessen bisher bemerkenswerteste politische Leistung in einem einsamen und vergeblichen Nein zur Staatshilfe für Opel bestand, dass also dieser in jeder Hinsicht junge Wirtschaftsminister jetzt der beliebteste deutsche Bundespolitiker ist, sagt wenig über ihn aus, aber viel über das Ansehen von Angela Merkel und den Rest der politischen Klasse – und damit generell über die Stimmung im Land. Die Deutschen sind offensichtlich gelangweilt und enttäuscht vom immer Gleichen, aber beeindruckt von dem Baron aus Bayern. Sehnsucht nach feudalistischen Strukturen wird man ihnen deswegen kaum unterstellen können; aber Sehnsucht nach einer etwas anderen Politik, nach etwas anderen Politikern, die kommt in den guten Werten für Guttenberg deutlich zum Ausdruck. Dafür riskieren die Leute offensichtlich sogar, etwas zu tun, was sie Bankern und Managern gerade so übel nehmen: Sie zocken. Sie setzen aus einem Gefühl heraus auf einen weitgehend unbekannten, aber viel versprechenden Politiker wie auf ein entsprechendes Papier an der Börse. Gut möglich, dass die Aktie Guttenberg zurzeit deshalb etwas überbewertet ist.

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