Meinung : Hahn zu, Geld her

Die Opec drosselt ihre Produktion, um den Preis für den Rohstoff hoch zu halten

Bernd Hops

Öl soll bald knapper werden. Das ist der Plan der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Am Mittwoch beschlossen die Ölminister der zehn Mitgliedsländer, ab November weniger Öl zu fördern. Insgesamt soll die Produktion der Opec-Länder um 3,5 Prozent oder 900 000 Barrel (je 159 Liter) gedrosselt werden. Ein Warnschuss gegen die USA, sich möglichst bald aus dem Irak zurückzuziehen? Wollen hier die Golfstaaten die tatsächliche Stärke der Region demonstrieren – nämlich die Macht über die wichtigsten Rohstoffquellen der Welt –, auch auf Kosten der gerade anspringenden Weltkonjunktur? Die Aktienmärkte sahen es jedenfalls so und rauschten am Mittwoch in den Keller. Am Donnerstag sah die Welt dann wieder weniger grau aus. Denn die Antwort auf die Fragen ist viel simpler: Den Opec-Ländern geht es ums Geld.

In den vergangen Jahren hat es die Opec geschafft, ihre Mitglieder auf Linie zu bringen. Das hat unter anderem die Diskussion im Zusammenhang mit dem Irakkrieg gezeigt. Dabei stand immer im Vordergrund: Die Opec wird die Versorgung der Welt mit Öl gewährleisten, egal, was passiert. Bloß zu billig darf es nicht werden. Deshalb dachte die Opec schon während des Irakkriegs laut über Förderkürzungen nach, als sich der Ölpreis in Richtung 20 Dollar je Barrel bewegte. Erst niedrige Notierungen schafften das, was vorher der eine oder andere arabische Ölminister im Kreis seiner Opec-Kollege vergeblich forderte, um sich mit dem Irak als Bruderland zu solidarisieren.

Und auch jetzt sieht es nicht danach aus, dass die Opec von ihrer Linie abweicht. Denn das große Ziel der Organisation ist, den Ölpreis zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel zu halten. Auch wenn die Notierungen in den vergangenen Monaten die meiste Zeit eher am oberen als am unteren Ende dieser Spanne lagen, ist der aktuelle Entschluss, die Produktion zu kürzen, rein wirtschaftlich bedingt. Denn objektiv betrachtet gibt es mehr als genügend Öl auf dem Markt. Die Überversorgung wird nur seit Monaten überlagert von der politischen Unsicherheit im Nahen Osten. Sobald dort – vor allem im Irak – etwas Ruhe einkehrt, würden die Preise bei der aktuellen Produktion unweigerlich sinken. Dagegen will sich die Opec jetzt frühzeitig wappnen. Zumal internationale Konkurrenten immer stärker auf den Markt drängen – allen voran Russland, das mittlerweile fast so viel Öl fördert wie das größte Opec-Mitglied Saudi-Arabien. Die hohen Ölpreise der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass es sich wieder gelohnt hat, in die Erschließung neuer Quellen zu investieren. Dieses zusätzliche Öl fängt jetzt an zu fließen. Deshalb ist weder die Versorgung gefährdet noch der Aufschwung, der erst ab Preisen über 30 Dollar leiden würde. Preise, die niemand will, auch die Opec nicht, weil sie sonst weniger Öl verkaufen würde.

Dass die Opec nicht nur wirtschaftlich denkt, sondern außerdem politisch anpassungsfähig ist, zeigt die Haltung gegenüber dem Irak. Lange hat sich die Organisation dagegen gesträubt, einen Vertreter der von den USA eingesetzten Übergangsverwaltung als Repräsentanten für den Irak zu akzeptieren. Am Mittwoch gab die Opec nach, weil sie eingesehen hat, dass sie nur so Einfluss auf die irakische Produktion ausüben kann. Und die Kehrtwende ging ohne große Verwerfungen vor sich. Eine Organsation, die kurz vor dem Auseinanderbrechen steht, sieht anders aus. Die Mitglieder haben begriffen, dass sie im stärkeren internationalen Wettbewerb nur zusammen großen Einfluss auf die Weltölmärkte haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben