Meinung : Hallo, ist da jemand?

Die Raumsonde „Galileo“ hat Erstaunliches erkundet

Thomas de Padova

Unsere Erde ist ein besonderer Himmelskörper: Sie ist vorübergehend bewohnbar. Schon vor 4000 Millionen Jahren verbreiteten sich Bakterien über den Globus, und ihre Nachfahren dürften in ein paar 100 Millionen Jahren auch die letzten Mohikaner auf der dann recht heißen Erde sein. Uns Menschen ward weniger Zeit geschenkt. Umso eiliger haben wir es, viel über die Welt zu erfahren, in die wir erst vor kurzem hineingeboren wurden. Gibt es noch andere lebensfreundliche Ecken im Kosmos? Sind wir allein im All?

Die Raumsonde „Galileo“ hat uns bei dieser Frage wieder ein Stückchen weitergebracht. Mit fantastischen Bildern hat sie das Interesse von Millionen Menschen auf eine Region unseres Sonnensystems gelenkt, die bis dato im Schatten des Mars, des Saturn oder des Kometen Halley gelegen hatte. Sie hat uns vor Augen geführt, wie viele Überraschungen die Erkundung unserer kosmischen Nachbarschaft bereithält. Wenn die Raumsonde heute Abend in der Atmosphäre des Jupiter verglühen wird, dann endet die wohl erfolgreichste Planetenmission der vergangenen Jahre.

Der Gasplanet Jupiter ist riesig. 1300 Erdkugeln würden in ihn hineinpassen. Er und seine mehr als 60 Monde ziehen ihre Bahnen weitab von den wärmenden Strahlen der Sonne im minus 140 Grad Celsius kalten Weltraum. Doch statt Fotos von plumpen Eisbällen oder frostigen Gesteinswüsten funkte uns Galileo Aufnahmen sehr unterschiedlicher Himmelskörper zu.

Jupiter heizt seinen Monden ordentlich ein. Mit den langen Fingern seiner Schwerkraft rührt er in ihrem Innersten. Der ihm nächstgelegene Mond Io ist so heiß, dass allenthalben Lava in Fontänen aus dem Boden schießt. Bis zu 300 mehr oder weniger aktive Vulkane sehen uns mit ihren Kratern an. Die roten und gelben Schwefelablagerungen eines Vulkans wie Pele bedecken eine Fläche von 1200 Kilometern Durchmesser. Ganz anders der Nachbarmond Europa. Auf seiner Oberfläche sind mächtige Eisschollen zu sehen, die sich in der Vergangenheit übereinander geschoben haben. Dieses Eis schwimmt offenbar auf einem Ozean. Die Messdaten lassen vermuten, dass etliche Kilometer unter der Eiskruste ein salziges Meer blubbert.

Der ganz Europa umspannende Ozean wäre mit mehr als 100 Kilometern Dicke die größte zusammenhängende Wassermenge unseres Sonnensystems. Da wir inzwischen wissen, dass Bakterien zum Überleben nicht unbedingt Licht brauchen, stellt sich die Frage, ob nicht auch auf Europa Mikroorganismen zu Hause sind. Oder ob sie nicht zumindest einst dort beheimatet waren, als das Meer fast bis an die Oberfläche reichte.

Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa möchte zur Klärung dieser Frage in etwa zehn Jahren noch einmal eine Sonde dorthin schicken. Aber schon die jetzigen Galileo-Aufnahmen der Jupitermonde zeigen, wie vielgestaltig die Himmelskörper in unserem Sonnensystem sind. Dass es weiter draußen im All belebte Planeten oder Monde gibt, daran zweifelt heute kaum mehr ein Forscher. Nun jedoch wissen wir, dass wir den Blick bei der Suche danach in der Vergangenheit zu sehr verengt haben. Wenn die Menschheit eines Tages die ersten Außerirdischen aufspüren sollte, dann womöglich nicht auf einer zweiten Erde, sondern vielleicht auf einem völlig anders gestalteten Himmelskörper.

Mit ihrer 14-jährigen Entdeckungsreise hat die Raumsonde Galileo der Raumfahrt zu großem Prestigegewinn verholfen. Es lohnt sich, unsere kosmische Umgebung auch weiterhin mit unbemannten, spezialisierten Raumschiffen zu erkunden. Das Geld für derartige Nachbarschaftsbesuche, obschon etliche 100 Millionen Euro pro Reise, ist gut angelegt. Nicht zuletzt, um unseren eigenen Planeten und die Voraussetzungen unserer Existenz besser zu verstehen.

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