Meinung : Hamburg, olé!

Die SPD sucht einen Superstar – die CDU hat ihren gefunden

Günter Beling

Hamburg wählt? Ja, ja, das auch. Doch eine Woche vor der Entscheidung könnte man immer noch glauben, die Hansestadt suche eigentlich nur den Superstar. Die Union hat ihren Spitzenkandidaten nahezu politikfrei neben Michel und Alster in die Landschaft gestellt, und diese Oberflächlichkeit scheint sich auszuzahlen für Ole von Beust: Viele, die vor zweieinhalb Jahren Ronald Schill auf den Leim gegangen sind, wollen heute keinen Blick mehr werfen auf den von ihm verursachten politischen Totalschaden. Sie geben sich diesmal keinem gnadenlosen Verführer, sondern einem sanften Stimmenfänger hin, der für einen gepflegten Umgang miteinander steht und Schill vergessen machen möchte. Für die CDU ist dieses Wahlkampfdesign äußerst praktisch, braucht sie doch nicht allzu oft komplizierte Details der Stadtpolitik oder Dinge wie Praxisgebühr, Lehrstellennot und Steuerreform zu erläutern. Und die Schul- und Kita-Probleme kleben vor allem der FDP am Blazer.

Thomas Mirow, dem roten Spitzenmann, wird zwar immer öfter attestiert, dass er ein kluger Kopf ist und ein guter Bürgermeister wäre. Er und von Beust gehen so pfleglich miteinander um, dass daraus mal mehr werden könnte. Wenn Hamburgs schwachbrüstige CDU nach dem unrühmlichen Anfang und katastrophalen Ende der christlich-liberal-populistischen Koalition trotzdem einer absoluten Mehrheit nahe ist, hat dies natürlich auch ein wenig mit der Schützenhilfe derjenigen zu tun, die früher Schill hochjubelten und jetzt von Beust. Viel mehr noch aber hat es mit Gerhard Schröder zu tun. Zu lange hat die SPD auf den Nerven ihrer Anhänger herumgetrampelt, als dass der „Münte-Effekt" jetzt schon greifen könnte. Vielleicht bringt er Hamburgs SPD noch ein Ergebnis nahe der 30-Prozent-Marke. Gemessen an ihren früheren Resultaten und der durchwachsenen Senatsbilanz wäre das trotzdem für sie enttäuschend. Und wenn die CDU nicht die Mehrheit der Parlamentssitze holt, bei einem Einzug Schills in die Bürgerschaft etwa, dürften Koalitionsgespräche mit den stabilen Grünen auch eine Variante zur Regierungsbildung sein.

Bis zum Sonntag ist es nur noch ein politischer Wimpernschlag. Überraschend viele Wähler sind noch unentschlossen, ein Warnsignal auch an die Union. Vielleicht treibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz und Rot-Grün die Menschen an die Urnen. Verhindert eine absolute Mehrheit!, wird das letzte Superthema der SPD sein. Denn einen neuen Superstar hat sie ja nicht.

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