Meinung : Hamburg vor der Wahl: Westerwelles Konter-Admiral

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Hart kann die Realität den einholen, der in süßen Träumen schwelgt. Guido Westerwelle hat die Realität in Gestalt eines Ex-Admirals und der besonderen Verhältnisse in Hamburg eingeholt. Dort hat der Spitzenkandidat Lange - nicht ohne einen Schuss Verzweiflung angesichts der Nähe zur Fünf-Prozent-Marke in den Umfragen - entschieden, die letzten Wahlkampftage doch mit einer Koalitionsaussage zugunsten der CDU zu bestreiten und ein Bündnis mit dem Populisten Schill nicht auszuschließen. Der Admiral meint offenbar, als Garant einer Wende nach langer SPD-Regierungszeit und als selbsternannter Vernunftanker einer neuen Koalition noch punkten zu können. Langes Entscheidung liegt freilich quer zur Strategie Westerwelles. Der will die FDP als eigenständige Partei zwischen den beiden großen Volksparteien etablieren. Koalitionsfestlegungen sollen vermieden werden, die FDP möchte so dem Ruf als reiner Funktionspartei entkommen und Stimmen hier wie dort sammeln - wenn nicht 18 Prozent, so doch zumindest zweistellige Ergebnisse. Diese Strategie ist mit Hamburg nicht gescheitert. Aber Westerwelle muss erkennen, dass die Neupositionierung der Partei nicht so flugs funktioniert wie die flotte Sprüchemaschine des Parteichefs. Dass er nun - ausgerechnet im Fahrwasser von Roland Koch - auch noch Nebulöses wie die "nationale Identität" in sein Themenspektrum aufnimmt, weckt den Verdacht, dass da einer ein bisschen die Richtung verliert.

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