Meinung : Handlungskompetenz

„Wir bauen Familienzentren“ vom 23. Dezember

Die Vision, interdisziplinäre Familienzentren aufzubauen, klingt zukunftsweisend und notwendig angesichts der vielen, isoliert angebotenen Hilfsmöglichkeiten. Aber bis dahin müssen auch Kinder aus anregungsarmen Familien adäquat unterstützt werden. Moderne klientenzentrierte Ergotherapie betrachtet die Handlungskompetenz eines Kindes immer als Produkt der Fähigkeiten des Kindes und vielfältigen Umweltfaktoren. Die Eltern und gegebenenfalls andere Angehörige oder Erzieher werden in den Behandlungsprozess intensiv einbezogen.

Eltern werden angeleitet, spezifische Förderangebote/Hausaufgaben zu übernehmen. Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Familie gelingt es oft, günstigeres Erziehungsverhalten anzuregen, wie z. B. die Verminderung des Fernsehkonsums.

Kinder aus anregungsarmen Familien leiden möglicherweise zusätzlich an einer medizinisch relevanten Entwicklungsstörung. Der Therapieprozess kann hier feindiagnostisch hilfreich sein. Wenn Kindern aus bildungsfernen

Familien Therapien vorenthalten werden, besteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin.Anke Hilbrich, Berlin-Karow

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