Meinung : Hans Eichel: Das Frankfurter Kreuz

ca

Das Finanzministerium reagierte prompt. Kaum war der Vorwurf, Hans Eichel habe teure Privatflüge zu Lasten des Steuerzahlers zwischen Berlin und Frankfurt gemacht, legten die Mitarbeiter des Finanzministers eine Liste mit allen 30 Flügen Eichels mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf dieser Strecke vor. Ausgerechnet der sparsame und penible Finanzminister soll es nicht so genau genommen haben? Wer ihn sonst erlebt, mag sich das nicht vorstellen. Dass Eichel zum Beispiel am Freitag, dem 25. August nach Frankfurt flog um an einer Sitzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau teilzunehmen, ist eindeutig ein dienstlicher Termin. Ob er danach seine Kinder besuchte, die dort leben, sollte die Öffentlichkeit nicht interessieren. Warum die teure Flugbereitschaft am 6. Januar wegen eines Termins beim Hessischen Rundfunk gleich zwei Mal benutzt wurde, mag sich der eine oder andere fragen? Aber wer weiß, was sonst an dem Tag anlag und ob es mit Linienflügen auch zu schaffen gewesen wäre? Jeder, der einmal versucht hat, einen unbequemen Angestellten loszuwerden, weiß, dass sich Kündigungsgründe am schnellsten finden lassen, wenn man sich die Spesenrechnungen noch einmal genau anschaut. Grauzonen mag es in dem einen oder anderen Fall auch geben, wenn man die Nutzung der Flugbereitschaft ganz genau unter die Lupe nimmt. Aber wäre das nicht reichlich kleinkariert? Wir haben uns angewöhnt, Politikern besonders kritisch auf die Finger zu schauen. Das ist auch gut so. Aber die Maßstäbe an Politiker sollten auch nicht strenger sein als die, die für anderen gelten. Hüten wir uns vor Heuchelei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben