Hans-Roland Fäßler : Der Ruf von Steinbrücks Berater hat gelitten

Hans-Roland Fäßler ist ein Steinbrück-Freund. Womöglich war er die treibende Kraft hinter dem gescheiterten "Peerblog". Bis jetzt hat er kaum Beweise dafür geliefert, dass er die Defizite des Kandidaten ausgleichen kann.

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Foto: Astrid Ott
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Sein politischer Ruf hat schwer gelitten. „Wer berät denn Ihren Spitzenkandidaten?“, wurde ein Regierungsmann jüngst gefragt. Seine Antwort: „Hoffentlich nicht Hans-Roland Fäßler.“

Fäßler, ein langjähriger Freund von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, ist ins Gerede gekommen, nachdem die Internetplattform „Peerblog“ zuerst für negative Schlagzeilen sorgte und anschließend eingestellt wurde. Denn es gibt viele Hinweise dafür, dass der 64-jährige Medienberater die treibende Kraft hinter dem Projekt war. Weil unklar blieb, wer für die Finanzierung sorgte, erwies sich der Blog als Rohrkrepierer. Er kenne die Geldgeber, hatte Ex-Journalist Fäßler erklärt, gibt über seine eigene Rolle aber seitdem keine Auskunft mehr.

Steinbrück ging auf Distanz zu der umstrittenen Wahlkampfhilfe und behauptete, er kenne die Finanziers nicht. Für das öffentliche Bedürfnis nach Transparenz zeigte er damit kein Verständnis – schließlich müsste er nur seinen guten Freund fragen, um die Sache aufzuklären. Aber auch dem politischen Gespür seines Beraters stellt der Vorgang kein gutes Zeugnis aus.

An Selbstbewusstsein fehlt es dem gebürtigen Augsburger Fäßler nicht, der auf eigene Rechnung Steinbrücks Kanzlerwerdung betreibt und enge Kontakte zu Journalisten hält. „Er macht gern einen auf dicke Hose“, sagt einer, der ihn lange kennt und es noch nicht einmal böse mit ihm meint. Fäßler hat die Radio-Nachrichtenagentur Rufa aufgebaut, die später verkauft wurde. Nach Stationen bei Bertelsmann und Gruner & Jahr machte er sich 2001 selbstständig.

Im Willy-Brandt-Haus gilt Fäßler, wiewohl langjähriges Parteimitglied, als Fremdkörper. Die seltsame Konstruktion – als Steinbrück-Freund einflussreich, als Privatmann nicht auskunftspflichtig – sehen die Genossen umso skeptischer, je mehr sich die Pannen häufen. Dabei legt Fäßler Wert darauf, dass er mit dem fatalen Kandidaten-Interview zum Kanzlergehalt nichts zu tun hatte.

Langwierige Abstimmungsprozesse sind Steinbrücks Sache nicht, er war immer ein Mann der Exekutive. Fäßler hat noch nicht viele Beweise dafür geliefert, dass er dieses Defizit ausgleichen kann und die Anforderungen einer kritischen Öffentlichkeit erahnt. Eines seiner Zitate heißt: „Ich will nicht als Adler starten und als Suppenhuhn landen.“ Wenn Kandidat Steinbrück nicht am Ende als Huhn landen soll, muss sich im Verhältnis der beiden Alpha-Männer wohl noch manches ändern.Hans Monath

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