Harald Martenstein : Das Geld der Reichen reicht nicht ewig

28.08.2011 12:22 UhrVon Harald Martenstein
Harald Martenstein. Tagesspiegel-Kolumnist. Foto: ddp
Harald Martenstein. Tagesspiegel-Kolumnist. - Foto: ddp

Jahrzehntelang mehr Geld auszugeben, als man einnimmt, kann nicht gut gehen - auch nicht mit Eurobonds.

Seit ich denken kann, höre ich in jeder politischen Debatte, in der es um Geld geht, das Gleiche. Auch jetzt, in der Finanzkrise. Die linken Parteien sagen immer: „Geld ist genug da. Es befindet sich lediglich in den falschen Händen.“ Man muss Steuern erhöhen, neue Steuern einführen, verstaatlichen, man muss die Reichen quetschen, bis sie quietschen.

Sorry, ich habe damit ein logisches Problem. Wenn man den Reichen ihr Geld wegnimmt, kann man für eine gewisse Weile auf die gewohnte Weise weiterwirtschaften, gewiss. Aber was tut man, wenn das Geld der Reichen aufgebraucht ist? Neue Reiche dürften ja wohl kaum nachwachsen, in dem total gerechten System des Sozialismus.

Es hat keiner mehr Lust, reich zu werden, wenn man ihm sofort alles wieder wegnimmt. Also, nach drei oder meinetwegen 20 Jahren ist das Geld der Reichen aufgebraucht – und dann? Was tut man dann? Diese Frage hätte ich gerne beantwortet. Ich glaube, die Geschichte der DDR bietet wertvolle Hinweise auf das, was passiert, wenn man den Reichen ihr Geld wegnimmt und einfach mal eine Weile nur von der historischen Substanz lebt.

Manche sagen, die gegenwärtige Krise beweise, dass die Linke eben doch recht hat und dass der Kapitalismus eben doch schlecht ist. In Wirklichkeit beweist die Krise etwas völlig anderes. Sie beweist, dass auch ein Staat nicht jahrzehntelang mehr Geld ausgeben kann, als er einnimmt. Dieses Kunststück gelingt weder unter den Bedingungen der DDR noch unter den Bedingungen des Kapitalismus, weder in den Gletscherlandschaften von Island noch unter der Sonne Spaniens, nur ein Zauberer könnte das schaffen. Die Schulden sind das Problem, nicht die Geldverleiher. Und weil man die Einnahmen nicht beliebig erhöhen kann, führt an einem noch sparsameren Staat kein Weg vorbei, obwohl dies bei den Wählern ganz bestimmt auf wenig Begeisterung stoßen wird. Die Krise beweist auch, wie schwierig es ist, in einer Demokratie Dinge zu tun, die notwendig sind, die aber allen wehtun und deswegen möglicherweise keine Wählerstimmen bringen.

Mit den Euro-Bonds wollen die Staaten sich Zeit kaufen. Euro-Bonds bedeuten, dass man noch ein paar weitere Jahre Schulden machen kann, so lange, bis auch die noch etwas solideren Staaten komplett ruiniert sind. Wenn man eine Pleitefirma nicht saniert, sondern sie mit einer anderen Firma fusioniert, die erst knapp vor der Pleite steht, gewinnt man Zeit. Sie nennen es „Solidarität“, „Feigheit“ wäre ein richtigeres Wort. Der Crash wird hinausgeschoben, er wird dann halt noch etwas totaler.

Meine große Angst ist, dass am Ende dieses ganzen Schlamassels ein autoritäres System steht oder ein Kampf von allen gegen alle.

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