Meinung : „Heilung geht über Trauer“

Matthias Schlegel

Es war ja nicht alles schlecht. Das ist wohl einer der meistgehassten Sätze des Joachim Gauck. „Die Nostalgie kommt daher, dass die Menschen die Erinnerung sortieren. Sie ziehen das vor, was nicht wehtut. Dabei geht Heilung über Trauer“, sagt der Mann, der zehn Jahre lang quasi Erinnerer von Beruf war. Heute ist er es noch aus Berufung. Im Jahr 2000 wurde Gauck, nach dem viele Menschen noch immer die Bundesbehörde benennen, obwohl sie längst von Marianne Birthler geführt wird, zum Vorsitzenden des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Als er im Januar 65 Jahre alt wurde, sagte der gebürtige Rostocker über seine Tätigkeiten: Der Pfarrerberuf sei ihm ans Herz gewachsen, hinterher habe er den Beruf gehabt, den es vorher nicht gab – die Ordination musste er dafür übrigens abgeben – , und jetzt sei er „ein reisender Politiklehrer“.

Aus seinen Überzeugungen hat er nie ein Hehl gemacht, als zur Neutralität verpflichteter Behördenchef freilich politisch schaumgebremst. Nun mischt er sich wieder ein: kritisiert den rot-roten Senat wegen der Einführung des verpflichtenden Werteunterrichts, beklagt mangelnde finanzielle Hilfe für die Gedenkorte der deutschen Diktaturen, mahnt das Fortbestehen der Stasi-Unterlagenbehörde für weitere 15 oder 20 Jahre an. Am Mittwoch erhielt Gauck in Frankfurt den Heinz-Herbert- Karry-Preis, der Engagement für den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat würdigt.

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