Heimkinder und die DDR : Unrecht im Kleinen

Natürlich gab’s Gutes in der DDR, doch Margot Honeckers Kinderheime gehörten nicht dazu. Trotzdem sollte man sich auch in Ruhe besehen, was in den westdeutschen Kinderheimen alles geschah.

Jost Müller-Neuhof

Mag man auch um den Sinn von Krippen und dergleichen streiten, so ist es doch ein großer Unterschied, ob einer bloß im Kollektiv ins Töpfchen pullern musste – oder man ihn mit Prügel zwang, ein Klosett mit seiner Zahnbürste zu putzen. Margots Heim-Horror war oftmals Freiheitsraub, DDR-Unrecht reinsten Wassers, ein Stück Faschismus im sonst ja so antifaschistischen Arbeiter- und Bauernstaat. Es ist erfreulich, dass dies das Bundesverfassungsgericht jetzt klargestellt hat. Zugleich sollte man sich hüten, mit dem Finger immer nur nach drüben zu zeigen. Gerade staatliches Unrecht kennt keine Regeln und keine Moral, es steht nirgendwo in Gesetzbüchern oder Verordnungen. Es ist die Negation von all dem. Es muss festgestellt, aufgearbeitet, manchmal erst aufgespürt werden, denn seine Opfer hat es meist zum Schweigen gebracht. Also soll man sich jetzt in Ruhe besehen, was in den westdeutschen Kinderheimen alles geschah und nicht vergessen, dass es damals auch einen Staat gab, der dies alles duldete. Auch im Westen gab und gibt es Willkürurteile – wie jenes, das jetzt das Verfassungsgericht mit donnernden Worten aufgehoben hat. Unrecht ist überall – nicht nur im „Unrechtsstaat“. neu

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