HELEN ZILLE BÜRGERMEISTERIN, KAPSTADT: : „Südafrikas Regierung hat versagt“

Helen Zille hat etwas eigentlich Unmögliches geschafft: Sie verdrängt den Kandidaten des African National Congress (ANC) beim Rennen um das Bürgermeisteramt in Kapstadt. Jetzt kämpft sie für die Menschen, die vor den Attacken in den Townships geflohen sind.

Esther Kogelboom

Sie ist die Tochter zweier Deutscher, die unabhängig voneinander vor den Nazis nach Johannesburg flüchteten und spricht fließend Englisch, Afrikaans, Xhosa und Deutsch. Helen Zille ist als Journalistin bekannt geworden, weil sie 1977 die Wahrheit über den Tod des Schwarzenführers Steve Biko schrieb: Der war nicht an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben, sondern von der „Sicherheitspolizei“ totgeprügelt worden. Sie war es auch, die in den 80er Jahren Mitglieder des ANC (African National Congress) in ihrem Haus versteckte. Trotzdem spricht man heute im ANC von Helen Zille, die inzwischen auch der liberalen Partei DA (Democratic Alliance) vorsitzt, ohne großen Respekt – als „Godzille“ nämlich. Denn „Godzille“ hat etwas eigentlich Unmögliches geschafft: Im März 2006 verdrängte die zierliche blonde Frau den ANC-Kandidaten beim Rennen um das Bürgermeisteramt – indem sie eine Koalition bildete, die aus sechs ideologisch vollkommen verschiedenen Parteien bestand und die bis heute hält.

Helen Zilles Alltag ist von einer fast schon preußischen Disziplin geprägt, auch wenn sie anders als oft behauptet nicht mit dem Berliner „Milljöh“-Maler Heinrich Zille verwandt ist. Nicht selten betritt sie um vier Uhr morgens ihr Büro über den Dächern von Kapstadt. Und trotzdem: „Mein deutsches Temperament und die afrikanische Lässigkeit geraten manchmal voll aneinander“, sagt Zille, die seit über einem Vierteljahrhundert mit einem Soziologieprofessor verheiratet ist und zwei Söhne hat.

Zuletzt geriet Zille im September 2007 in die Schlagzeilen, weil ihr von der südafrikanischen Staatsanwaltschaft ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz zur Last gelegt wurde. Die 57-Jährige hatte sich zusammen mit anderen vor der Polizeiwache im Township Mitchell’s Plain versammelt, um sich nach dem Verbleib einer Gruppe zu erkundigen, die gegen Drogen- und Alkoholmissbrauch protestiert hatte. Helen Zille wurde jedoch freigesprochen.

Jetzt kämpft Zille für die etwa 20.000 Menschen, die vor den fremdenfeindlichen Attacken in den Kapstädter Townships in innerstädtische Kirchen und Gemeindezentren geflohen sind. Sie plant die Einrichtung von temporären Sammellagern, während die Provinzregierung die Menschen wieder in die Townships zurückschicken will. Die von Johannesburg ausgehende Gewaltwelle gegen Ausländer hatte auch Durban und Kapstadt erreicht. 

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