Meinung : Helfer ohne Grenzen

Waisenkinder aus dem Tschad: Ein mitfühlendes Herz allein reicht nicht

Dagmar Dehmer

Ohne Helfer in der westsudanesischen Krisenregion Darfur wären dort Millionen Menschen vermutlich längst verhungert. Umso trauriger, dass eine Hilfsorganisation aus Frankreich, Arche de Zoé, die Helfer nun beim Helfen behindert.

Es ist wohl nicht mit Dilettantismus zu erklären, dass die nach dem Tsunami 2004 von einem Feuerwehrmann gegründete Hilfsorganisation von den Gastfamilien bis zu 3000 Euro kassiert hat, damit diese ein Kind aus dem Darfur aufnehmen. Offensichtlich wurde diesen Familien eine Adoption in Aussicht gestellt. Und dann zog Arche de Zoé los und sammelte im Tschad, in dem tatsächlich tausende Flüchtlinge aus dem Darfur leben, 103 Kinder ein, die nach Frankreich ausgeflogen werden sollten. Nur, es waren keine Waisen, und aus dem Darfur kamen sie auch nicht.

Die Gastfamilien mögen sich dringend ein Kind wünschen. Und bestimmt hätten die meisten Kinder in Frankreich wirtschaftlich kein schlechtes Leben. Aber sie wären weg von ihren Familien, weg von ihrer Kultur. Geworben wurden sie, wenn die Aussagen der Kinder stimmen, mit Süßigkeiten und dem Versprechen, später ein Auto zu bekommen. Vermutlich haben die Arche-de-Zoé-Leute sogar einen Teil der Kinder mit vollem Einverständnis ihrer Eltern ausgehändigt bekommen. Die mögen gehofft haben, ihren Kindern so ein besseres Leben im gelobten Europa bieten zu können – und womöglich auch schon bald Geld von ihnen für ihr Überleben im Tschad zu bekommen.

Doch das macht die Sache nicht besser. Es zeigt die Geringschätzung, mit der die europäischen „Helfer“ auf die Afrikaner zugegangen sind. Kinder gibt es dort ja genug, dann kann man sie einfach mitnehmen. Diesen Eindruck nutzt der tschadische Diktator Idriss Déby nun weidlich aus. Er kann sich zum Volkshelden aufschwingen, der den elenden Kolonialisten aus Europa zeigt, wo der Hammer hängt. So kann er ganz nebenbei noch sein mieses Regime stabilisieren. Die französischen Helfer haben mit ihrer dummen Aktion zudem den Friedensprozess im Darfur noch weiter erschwert, weil sie Déby ermöglicht, nun endgültig sein eigenes Süppchen zu kochen.

Und was lehrt uns das? Vielleicht sollte nicht jeder, der ein mitfühlendes Herz hat, gleich eine Hilfsorganisation gründen. Es hat durchaus einen Nutzen, wenn eine professionelle Hilfsorganisation, die sich noch dazu kontrollieren lässt, die Arbeit vor Ort übernimmt. Helfer wie Unicef, die Welthungerhilfe oder auch Ärzte ohne Grenzen haben ihre Fehler vor Ort längst gemacht – und daraus gelernt. Sie mögen etwas mehr Geld für die Verwaltung ausgeben. Aber das ist gut investiertes Geld, wenn sie dafür vor Ort angemessen helfen. Keine ernst zu nehmende Hilfsorganisation wäre auf die Idee gekommen, mal eben in Afrika „Waisenkinder“ einzusammeln – schon gar nicht solche, die noch Eltern haben.

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