Henrique de Castro: : „Ich kann es kaum erwarten, dem Team um Marissa anzugehören“

Er war beim Überflieger Google. Jetzt geht Henrique de Castro zum Kellerkind Yahoo - und bekommt dafür sehr viel Geld. Ein Porträt

Axel Postinett

Henrique de Castro ist begeistert von seinem neuen Job als COO bei Yahoo. „Ich kann es kaum erwarten, dem Team um Marissa anzugehören und loszulegen“, erklärt der 47-Jährige. Die Freude ist verständlich: Marissa Mayer, die neue CEO bei Yahoo, versüßt dem Google-Manager den Wechsel vom Überflieger Google zum Kellerkind Yahoo mit einem 56 Millionen Dollar schweren Antrittspaket. Das Silicon Valley ist die neue Wall Street.

„Es ist mein erster voller Arbeitstag zurück bei Yahoo“, twittert Mayer, frischgebackene Mutter eines Jungen. „Und ich bin begeistert, ihn mit der Ernennung meines neuen COO beginnen zu können.“ Seit August war die Position vakant und Mayer hat keine Zeit zu verlieren. Die Aktionäre sitzen ihr im Nacken, Yahoo fällt gegen Google und Facebook weiter zurück, hat noch immer keine überzeugende Strategie im mobilen Internet und verliert weiter laufend Topkräfte, die zu anderen Tech-Unternehmen wechseln. In dieser angespannten Situation ist ein gesunder finanzieller Anreiz keine schlechte Überzeugungstaktik. Die Kriegskasse ist zudem gut gefüllt, rund 650 Millionen Dollar sind aus dem Verkauf der chinesischen Alibaba-Anteile bei Yahoo verblieben, der Rest, knapp 3,65 Milliarden Dollar, wurde an die Aktionäre ausgeschüttet.

Mit dem gebürtigen Portugiesen de Castro, zuletzt Vice President für das weltweite Partnergeschäft bei Google, kauft Mayer keinen Unbekannten ein. Sie kennt den früheren Dell-Manager und McKinsey- Berater aus ihrer eigenen Zeit bei Google. Positiv kommt hinzu, dass de Castro ein ausgewiesener Experte für das Anzeigengeschäft ist, Yahoos wichtigste Einnahmequelle. Das Erfolgsmodell von Google kennt er seit 2006 in- und auswendig. Zum Vergleich: Google setzte im ersten Halbjahr gut 21 Milliarden Dollar mit Werbung um, Yahoo gerade mal zwei Milliarden und zeigt kein Wachstum.

Laut Börsenmitteilung erhält de Castro ein Grundgehalt von 600 000 Dollar, das sich erfolgsbasiert verdoppeln kann. Dazu kommen einmalig eine Million Dollar in bar, um Google-Boni auszugleichen, sowie 36 Millionen Dollar in Aktienoptionen. Weitere 20 Millionen Dollar in Aktien gleichen den Wert von Google-Aktien aus, die er aufgeben muss. Wann er geht, steht noch nicht genau fest, am 22. Januar 2013 „oder früher“, heißt es. Offenbar freut sich Google über jeden Tag, den Yahoo an der Werbefront weiter kopflos kämpfen muss. Axel Postinett

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