Meinung : Herr der Ringe II

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Altbekannter Berliner Größenwahn? Immerhin hat Berlin gerade erst den Zuschlag für die LeichtathletikWeltmeisterschaft 2009 bekommen – und nun will der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gleich noch die Olympischen Sommerspiele 2016 oder 2020. Bei so viel energischer Zuversicht denkt man mit Schrecken an die letzte Olympiabewerbung Berlins. Seinerzeit blamierte ein unprofessionelles Management die neue Hauptstadt, während die Berliner dem angedrohten Spektakel skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. Damals wäre die Stadt mit den Spielen überfordert gewesen. Berlin benötigte alle Kräfte, die Folgen der jahrzehntelangen Teilung zu überwinden, in die neue Rolle als Sitz der Bundesregierung hineinzufinden und zugleich den unglaublichen Bauboom zu verkraften. Zusätzlich ein ehrgeiziges Bauprogramm für Olympia 2000 zu bewältigen, hätte die Stadt zerrissen. Ein zweiter Anlauf ist jetzt aber sinnvoll. Die Stadt ist innerlich gefestigt, das Olympiastadion saniert und Berlin bereit für neue Herausforderungen. Ebenso seriös vorbereitet wie die Bewerbung um die Leichtathletik-WM, kann sich Berlin durchaus Chancen ausrechnen. Vor der Bewerbung beim IOC käme allerdings das Werben um die Berliner. London, das sich um die Spiele von 2012 bewirbt, wirbt derzeit mit einer riesigen Werbekampagne um die Zustimmung seiner Bürger. Auch das ist an der Spree damals versäumt worden. Ohne die Unterstützung der Berliner braucht der Senat gar nicht antreten.gn

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