Hertha BSC : Herthas Einspruch – ja, geht’s noch?

Berlins gewesener Fußball-Erstligist ist kein Opfer höherer oder niederer Mächte. Das Chaos von Düsseldorf ist nur ein Alibi, das vom grundsätzlichen Versagen ablenken soll.

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Die letzte Nebelkerze hat Michael Preetz geworfen. Rauch legt sich über eine missratene Bundesligasaison von Hertha BSC. Der Berliner Manager Preetz verlangt eine Wiederholung des Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf, an dessen Ende Herthas Abstieg aus der Bundesliga stand. Kurz vor Schluss dieses Spiels hatten siegestrunkene Düsseldorfer Fans den Platz gestürmt. Wegen des Durcheinanders konnten die letzten neunzig Sekunden der Nachspielzeit erst nach zwanzigminütiger Unterbrechung gespielt werden. Preetz sieht dadurch das Prinzip der Chancengleichheit verletzt.

Dieser Versuch, den sportlichen Abstieg auf juristischer Ebene abzuwenden, ist legal. Aber ist er auch legitim? Herthas Anwalt Christoph Schickhardt behauptet allen Ernstes, die Berliner hätten vor der Wiederaufnahme des Spiels leichenblass und in Todesangst in der Kabine gesessen. Geht’s noch? Natürlich gehört der Platzsturm bestraft. Ihn aber zur Menschenjagd eines marodierenden Mobs aufzublasen, ist durchsichtig kalkuliert und unanständig.

Preetz sprach davon, einen Protest sei der Verein schon den eigenen Fans schuldig. Das ist interessant formuliert. Die ersten Bengalos flogen aus dem Berliner Block, sie waren die Antwort auf Düsseldorfs Führungstor und hatten ganz offensichtlich einen Spielabbruch zum Ziel. In diesem verzweifelten Versuch, den Abstieg noch zu verhindern, steckte mehr Intensität, als den Spielern auf dem Platz anzusehen war. Daraus nun den Anspruch einer Belohnung für die Fans abzuleiten, ist schon sehr schräg gedacht.

Das Chaos von Düsseldorf ist ein perfektes Alibi, denn es lenkt ab von den Fehlern, mit denen Hertha BSC sich in den vergangenen Monaten in den Niedergang manövriert hat. Dazu passt, dass dem erfolglosen Manager Preetz sogleich der versierte Sportjurist Klaus Wowereit zur Seite sprang. Als Befürworter eines Wiederholungsspiels kann Wowereit endlich wieder den verständnisvollen Landesvater geben. In der Sache ist sein Auftritt so unangemessen wie sein Aufjaulen vor ein paar Jahren nach der Weigerung des Bundesverfassungsgerichts, den Berliner Haushalt auf Bundeskosten zu sanieren. Der äußere Eindruck ist derselbe: Berlin kann nicht verlieren und sucht die Schuld für seine Malaise überall, nur nicht bei sich selbst.

Hertha BSC hat die Zugehörigkeit zur Bundesliga nicht in den letzten neunzig Sekunden der Nachspielzeit von Düsseldorf verspielt und ist schon gar kein Opfer höherer oder niederer Mächte. Es gibt für diesen Niedergang rationale Gründe, sie liegen in unverantwortlichen Investitionen der älteren und in dramatischen Managementfehlern der jüngeren Vergangenheit. Dagegen hilft keine Nebelkerze, dagegen hilft nur ehrliche Aufarbeitung und die Bereitschaft zum Neuanfang. Nichts zu sehen davon bei Hertha BSC.

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