Hertie : Verscherbelt

Die Marke Hertie ist verbrannt, die Billigkaufhaus-Strategie grandios gescheitert, ein Investor ist nicht in Sicht. Für die über 4000 Mitarbeiter ist das ebenso eine Hiobsbotschaft wie für viele Kleinstädte, deren Zentren nun zu veröden drohen.

Daniel Rhée-Piening

Hertie, das ist ein Stück deutsche Geschichte. Einst von Hermann Tietz in Gera gegründet und in Berlin groß geworden, gehörte Hertie zu den großen deutschen Kaufhauskonzernen. Sogar das KaDeWe zählte dazu. Inzwischen hat der Name jeden Glanz eingebüßt, bei den Kunden steht er für vernachlässigte Kaufhäuser und ein biederes Warenangebot. Jahrelanges Missmanagement und die Vernachlässigung des Marktes fordern nun ihren Preis: Der Insolvenzantrag ist gestellt. Schon unter dem Dach von Karstadt hatte Hertie kein eigenes Profil entwickeln können. Verscherbelt an Finanzinvestoren aus Großbritannien, fehlte dann das Kapital für einen Neustart. Die Briten wollten das schnelle Geld sehen – und gaben den Kaufhäusern den Rest. Trotz aller Hilfsangebote scheint der Weg zurück nun steinig: Die Marke ist verbrannt, die Billigkaufhaus-Strategie grandios gescheitert, ein Investor ist nicht in Sicht. Für die über 4000 Mitarbeiter ist das ebenso eine Hiobsbotschaft wie für viele Kleinstädte, deren Zentren nun zu veröden drohen. Ohne einen wagemutigen Unternehmer, der bereit ist, auf eine Verzinsung seines Kapitals zu warten, sieht die Zukunft düster aus. dr

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