Meinung : Herzenssache

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Na, das war ein Schreck. Die Ärzte hätten Roland Koch einen KunststoffKatheder durch die Arterie geschoben, meldete dpa am Montag. Das war nur schwer vorstellbar: ein ganzes, schweres Möbelstück, zumal bei einem Politiker, der dem Kathedersozialismus des 19. Jahrhunderts eher skeptisch gegenüberstehen dürfte? Bei näherem Hinsehen schien es sich aber doch eher um einen Katheter zu handeln, ein bedeutend weniger sperriges Gerät also. Dennoch schmälert das unsere Hochachtung vor der Leistung des CDU-Politikers nur wenig. Die ganze Woche hardcore-regieren, Erklärungen formulieren, die Interviews fürs Wochenende rund schleifen, dann am Sonnabend schnell zur Herzoperation, Sonntag Rekonvaleszenz, Montag morgen CDU-Präsidiumssitzung, dann für fünf Tage ab nach Amerika zum Treffen mit Vizepräsident Cheney, der selbst schon so viele Infarkte und Bypass-Operationen hinter sich hat, dass er sie kaum noch zählt. Worüber werden die beiden reden? Vermutlich über den Arbeitsmarkt der Zukunft, auf dem immer weniger Unentbehrliche immer mehr schuften und die Rentengrenze in Richtung 80. Geburtstag verschieben, sofern die Pumpe mitspielt. Die anderen dagegen verbringen den Tag damit, die Flure des Arbeitsamts zu betrachten, froh darüber, wenn ihnen ab und an jemand ein paar Euro fürs Kathederverschieben gibt. So viel für heute zur sozialen Schieflage.

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