Hessen : Eisern will er bleiben

Roland Koch setzt in Hessen auf den Faktor Zeit - und Umfragen bestärken ihn. Hessens SPD mit Andrea Ypsilanti an der Spitze verliert krachend.

Stephan-Andreas Casdorff

Schon seine Stimme verändert sich. Nicht mehr immer dieses Schneidende, Metallische, auch manchmal Besserwisserische, sondern leiser, freundlicher, umgänglicher halt. Die Rede ist von Roland Koch. Der Eiserne, der die Rüstung ablegt?

Im Grunde genommen ist er ein Mann der Extreme. Blitzschnell im Verstehen politischer, taktischer, machttechnischer Zusammenhänge. Rasant in der politischen Karriere. Effektiv als politischer Administrator – aber zugleich ist auch keiner je so hart getroffen worden wie er. Keiner hat so viele Prozentpunkte bei einer Wahl wegen eigener Fehler eingebüßt. Und was hat er nicht schon alles politisch überlebt. Eine Parteispendenaffäre mit falschen jüdischen Vermächtnissen hat ihn nicht aus dem Amt gehoben; und dass er im Amt die Unwahrheit gesagt hat, auch nicht. Jetzt ist er immer noch da. Eisern will er bleiben.

Bei Koch ist alles möglich. Auch, dass er aus Fehlern lernt. Schneller als andere. So jung, wie er ist, will er noch nicht aufs Altenteil. Also denkt vom Ende her und passt er sein Handeln an. Am Ende soll eine neue politische Mehrheit stehen, für ihn und die FDP. Die steht in Treue fest zu ihm.

Leise redet er aus Kalkül. Er will niemanden verschrecken. Plötzlich ist, zum Beispiel, der Grüne Al Wazir kein Schreckgespenst mehr, sondern ein ganz kluger Kerl. Koch will ihn gewinnen. Und wenn das nicht gelingen sollte, dann soll es doch das Bild von ihm verändert haben. Nach dem Motto: Der Mann lässt doch mit sich reden.

Pragmatische Politik wird folgen, praktische, die an der Sache ausgerichtet wirkt. Koch, immer noch Ministerpräsident, nutzt jede Gelegenheit, anderes herauszustreichen als in seinem Wahlkampf, die guten Wirtschaftsdaten, die guten Standortfaktoren. Es war ja nicht alles schlecht, was war, nicht wahr? Wer sich auf die Beantwortung dieser Frage einlässt, ist schon halb gewonnen. Der Rest kommt mit der Zeit.

Wie man sieht. Hessens SPD mit Andrea Ypsilanti an der Spitze verliert in Umfragen krachend, fällt um neun Prozent auf gegenwärtig 28. Die CDU dagegen zeigt sich ein wenig erholt, bietet 40 Prozent auf und könnte mit den Freidemokraten (zehn Prozent) regieren. Vor allem die SPD-Wähler sind schwer enttäuscht. Anders gesagt: Ypsilanti hat sich nur parteiintern durchgesetzt. Darüber hinaus ist sie nicht unumstritten. Und Koch tut nichts, um davon abzulenken.

Nun geben Umfragen Stimmungen wieder, sie sind noch keine Stimmen. Aber das kann noch werden: bei Neuwahlen, ob demnächst oder im nächsten Jahr, im Mai, wenn ohnehin Europawahlen anstehen. Allein schon in die gehen Christdemokraten traditionell sehr diszipliniert. Da ist von ihrer Seite hohe Wahlbeteiligung garantiert. Erst recht motiviert wird die Hessen-CDU sein, ein Kampfverband ohnegleichen. Sie bietet Koch genug Schutz und Schild, auch ohne Rüstung.

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