Meinung : Heute, in der schlechten wirklichen Welt …

Wir betrachten die Dinge mit jungen und alten Augen

Ihre Kerstin Kohlenberg

Lieber Hellmuth Karasek, auch wenn Stephen Hawking seit kurzem nicht mehr an Paralleluniversen glaubt, in Deutschland gibt es sie noch. Letzte Woche habe ich aus zwei schwarzen Löchern nämlich Geräusche gehört. Das erste war am Mittwoch, als ich abends aus Versehen Sat1 eingeschaltet habe. Macht man ja eigentlich nicht mehr, wegen Harald, der jetzt Anke heißt, ich weiß. Ich wollte auch wegzappen, aber Frau Engelke war so gut gelaunt, dass ich ein bisschen geguckt habe. Die ist wieder lustig da unten in ihrem Quotenloch, aber keiner holt sie raus. Am Donnerstag habe ich dann mit voller Absicht einen Artikel gelesen, und da stand mittendrin: „Deutschland ist die drittstärkste Wirtschaftsnation der Erde“. Ich döste gemächlich an dem Satz vorbei, bis er noch mal gebrüllt wurde, ein paar Zeilen weiter. Da sitzen ein paar Leute in einem Nachbarloch und haben die Taschen voll Gold. Wann sind Sie das letzte Mal an die Wirklichkeit erinnert worden?

Liebe Kerstin Kohlenberg, früher, in der schlechten alten Zeit, durfte man noch sog. „Irrenwitze“ machen. Also zwei Irre (korrekt: geistig Zurückgebliebene) betrachten nach einem Gewitter einen Regenbogen. Sagt der eine: „Dafür ham die Geld! Aber uns studieren lassen...“ Ihre schwarzen Löcher, liebe Kerstin Kohlenberg, erinnern mich, seien Sie mir nicht böse, an diesen Witz. Also, auch ich liebe und verehre Anke Engelke, aber wenn ich gucke (wozu ich meist keine Zeit habe, leider!) hilft das der Quote auch nix. Und Deutschland erst recht nix. Bleibt also das zweite schwarze Loch, wo die Reichen (Ackermann und Konsorten) sitzen. Tja! Da Sie in Hamburg leben, gehen Sie doch bitte mal in eines der schicken Restaurants am Hafen. Und dort schauen Sie auf die Container, die dort Tag und Nacht geräuschlos beladen werden. Zu Tausenden von ein, zwei Arbeitern am Kran. Dort geht sie hin, unsere Arbeit!

Mit Gruß Hellmuth Karasek

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