Meinung : Heute sind wir alle Amerikaner

Von Stephan-Andreas Casdorff

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Der Meister der Flut – Gerhard Schröder. Und das ist beileibe nicht zynisch gemeint. Denn er weiß in diesen Fällen schon, wann einzugreifen sich gehört. Jetzt ist es „uneingeschränkte Solidarität“, die er praktiziert; wie damals, nach den verheerenden Anschlägen im September 2001 auf die USA, als das Land tief verwundet war. Nun versinkt New Orleans, eine Stadt, ach was, ein Land kämpft nicht nur mit dem Brechen aller Dämme, sondern auch noch mit einem Zivilisationsbruch.

Die Dimension des Geschehenen und des Geschehens ist noch kaum vom amerikanischen Präsidenten erkannt, da hat der deutsche Bundeskanzler schon die Koordination hier an sich gezogen, seine wichtigen Minister einbestellt und herausgefunden, wo was am besten getan werden kann. Das nennt man: Führung. Soll sich keiner leichtfertig darüber erheben. Sicher, es ist ein Wahlkampfthema; aber es ist außerdem eine humanitär notwendige, eine zutiefst menschliche Reaktion, dass einem Freund in Not Hilfe wenigstens angeboten wird. Schlimm wäre, wenn er es nicht getan hätte. Falsch wäre, wenn Schröder Umweltminister Jürgen Trittin folgen wollte und sogleich über amerikanische Fehler in der Weltklimapolitik geredet hätte.

Jetzt ist keine Zeit für Rechthaberei, Besserwisserei. George Bush als den Verantwortlichen für Klimadesaster und damit als Mitverantwortlichen für Auswirkungen der Naturkatastrophe anzugreifen, wäre angesichts der Tragödie in diesen Tagen unanständig. Von einem, der aus solchen Geschehnissen Kapital zu schlagen versucht, und von einem, der nicht weiß, was jetzt wichtig ist, möchte wohl niemand regiert werden.

Zumal die Themen von selbst kommen werden. Alle werden sich, wenn die Katastrophe einigermaßen eingedämmt ist, Gedanken darüber machen müssen, wie es dazu kommen konnte. Und Konsequenzen daraus ziehen. Das kann in den nächsten Tagen sein oder in den nächsten Wochen. Es wird viel Kritik geben, zum Teil gibt es sie ja heute schon. Nicht zuletzt am amerikanischen Präsidenten. Aber nicht zuallererst vom deutschen Regierungschef.

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