Meinung : Hilfe, aber sicher

Sudan: Die Flüchtlinge erhalten Nahrung, aber nicht Schutz vor Gewalt Von Ingeborg Schäuble

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Die am 30. Juli verabschiedete UNResolution zu Darfur forderte von der sudanesischen Regierung konkrete Verbesserungen auf zwei Gebieten: bei der humanitären Hilfe und bei der Sicherheit. Der jüngste UN-Bericht nach Ablauf des Dreißig- Tage-Ultimatums hat bestätigt, was für jeden Besucher der Region offenkundig war: Die humanitäre Hilfe hat sich verbessert, nicht jedoch die Sicherheitslage.

Die bürokratischen Hindernisse für Hilfsorganisationen, in die Krisenregion zu gelangen, sind weitgehend aus dem Weg geräumt worden. Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge können bislang erreicht werden. Die Deutsche Welthungerhilfe versorgt in Nord-Darfur zurzeit 80 000 Flüchtlinge. Auf diesem Gebiet zeigt sich die sudanesische Regierung weiterhin kooperationsbereit.

Was die Sicherheitslage betrifft, hat die sudanesische Regierung die Erwartungen nicht erfüllt. In dem UN-Bericht wird festgestellt, dass Sudan die arabischen Milizen nicht entwaffnet hat, dass die Angriffe auf die Zivilbevölkerung nicht aufgehört haben und dass keine konkreten Schritte unternommen wurden, die Anführer der Milizen, die in Darfur geplündert, vergewaltigt und gemordet haben, der Gerechtigkeit zuzuführen.

Bei meinem Besuch in der vergangenen Woche in Kutum, das 100 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt von Norddarfur, Al Fascher, liegt, berichteten mir Flüchtlinge immer wieder von fortgesetzten Angriffen in der Umgebung des Flüchtlingslagers. Besonders die Frauen sind gefährdet. Wenn sie das Lager verlassen, um Feuerholz zu sammeln, laufen sie Gefahr, verschleppt und vergewaltigt zu werden.

Die humanitäre Situation und die Sicherheitslage können nicht getrennt voneinander gesehen werden. Wenn sich die Sicherheitslage nicht verbessert, wird sich auch die humanitäre Situation verschärfen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) rechnet damit, dass schon bis Ende dieses Jahres in Darfur zwei Millionen Notleidende versorgt werden müssen.

Aus Angst vor den marodierenden Milizen sammeln sich die Menschen in Lagern, Städten und kleineren Orten; sie wagen sich nicht zurück auf ihre Felder. In diesem Jahr wurden nur 20 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Darfur bepflanzt. Wenn sich diese Lage verfestigt, hängen zwei Millionen Menschen, im nächsten Jahr vielleicht noch mehr, am Tropf der internationalen Gemeinschaft.

Solange die sudanesische Regierung kein glaubwürdiges Konzept zur Wiederherstellung von Recht und Sicherheit in der Region vorlegen kann, muss die internationale Gemeinschaft eingreifen. Unter dem Mandat der Afrikanischen Union (AU) sind 80 internationale Beobachter und 300 Soldaten in Darfur stationiert – zu wenig für ein Gebiet von der Größe Frankreichs. Ein Besuch bei der AU-Truppe in Al Fascher ergab, dass sie nur zwei Helikopter zur Verfügung haben – und keinen Tropfen Treibstoff.

Wenn sich Staaten wie Amerika, Frankreich, Großbritannien oder auch Deutschland nicht militärisch engagieren können oder wollen, müssen sie zumindest die AU-Truppe unterstützen: mit Geld, Logistik und Know-how. Die Truppe muss vergrößert werden und ein robusteres Mandat erhalten, das auch den Schutz von Zivilisten umfasst, nicht nur die Überwachung des Waffenstillstands von Rebellen und Regierung. Sudan ist ein Pulverfass. Nicht nur in Darfur, auch in anderen Provinzen brodelt es. Die internationale Aufmerksamkeit darf jetzt nicht nachlassen, sonst vergrößert sich die Krise und damit das Leid der Zivilbevölkerung.

Die Autorin ist Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe in Bonn. Vom 19. bis 27. August hat sie Sudan bereist.

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