Meinung : Hinter den Kulissen

Die Zeichen mehren sich, dass es beim Uni-Elitewettbewerb nicht mit rechten Dingen zugeht

Anja Kühne

Es gibt in einem Wettbewerb immer Gewinner und Verlierer, das müssen wir in der Forschung noch lernen.“ Das hat der ehemalige Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, gesagt, angesprochen auf die Kritik am Auswahlverfahren im Elitewettbewerb der Unis. In anderen Worten: Manche Unis und Politiker benehmen sich wie kleine Kinder. Sie fegen nach ihrer Niederlage zornig die Figuren vom Spielbrett, anstatt die oberste Regel zu beherzigen: „Mensch ärgere dich nicht!“

Zu diesen unbeherrschten Kindern, die erst noch lernen müssen einzustecken, gehört demnach auch Berlin. Sein ehemaliger Wissenschaftssenator Thomas Flierl (Linkspartei) sah Berlins Unis nach der ersten Elite-Entscheidung benachteiligt und protestierte. Flierls Nachfolger Jürgen Zöllner (SPD) hat gerade erst einen bösen Brief an den Wissenschaftsrat angekündigt: Unis in reichen Bundesländern dürften im Wettbewerb nicht bevorzugt werden: „Es geht allein um die Qualität des Antrags.“

Reißt Berlin mal wieder seine Klappe auf, um Geld zu verlangen, das es nicht wirklich verdient? So leicht werden es sich die Spitzen in der DFG und im Wissenschaftsrat wohl kaum machen können. Wenn jetzt die Frage im Raum steht, ob die Jury Unis in wohlhabenden Ländern bevorzugt, ist das ein weiterer Hinweis auf bemerkenswerte Verfahrensschwächen des Wettbewerbs. Hinter den Kulissen erfinden Juroren im laufenden Rennen neue Regeln: Sie interpretieren das Kriterium „Nachhaltigkeit“ so, dass Unis in einem armen Land kaum als würdige Kandidatinnen gelten können. Das Bundesbildungsministerium findet diesen Generalverdacht auch noch „sachgerecht“.

Dabei kann auch eine bankrotte Stadt Prioritäten in der Wissenschaft setzen, wie Berlin beweist: Selbst wenn der Finanzsenator das Karlsruher Urteil, die Stadt leiste sich eine zu teure Wissenschaft, als Aufforderung zu einer Sparrunde verstünde: Berlins etwaige Eliteuni dürfte sie kaum treffen. Im Übrigen wirbt keine Region so viele DFG-Mittel ein wie Berlin. Kein Grund, die Stadt schlechtzureden.

Im Elitewettbewerb gibt es Vorgänge, die selbst in einem „Dorfparlament“ unmöglich wären, hat ein Politiker gesagt. Dazu gehören sich überlagernde Verfahrensrunden, die Schiebereien erlauben. Dazu gehört, dass es im ersten Wettbewerb sogar unter den Gutachtern Streit gab, weil manchen die Hilfe für Münchens Anträge zu weit ging. Und dazu gehört auch das Vorgehen der Spitzen der DFG und des Wissenschaftsrats, im laufenden Verfahren öffentlich Namen einzelner Bewerberinnen zu nennen, die sie für besonders aussichtsreich halten, etwa Aachen oder Heidelberg. In den USA, wo so etwas verpönt ist, nennt man solche Einflussnahme „signaling“.

Völlig zu Recht fordern die Unirektoren nun mehr Transparenz im Verfahren. Allerdings nur in einem internen Papier. Wer will schon als schlechter Verlierer dastehen?

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