Meinung : Historische Fahrt: Ein bisschen Frieden

cvm

Welch ein Feuerwerk der Versöhnung. Mit leichter Verspätung hat das Ende des Kalten Krieges unübersehbar Asien erreicht. Zwischen Nord- und Südkorea gibt es Familienaustausch, Eisenbahnverbindungen werden erneuert. Wer denkt da nicht an Willy Brandts erste tastende Versuche der Entspannungspolitik in Berlin? Vietnam schließt seinen Frieden mit den USA. Japan und Russland erhoffen sich reiche Erträge: aus der Verbindung von Kapital und Technik der einen mit den ungenutzten Ressourcen der anderen. Und nun richten Taiwan und China die ersten Fährverbindungen ein. 52 Jahre Fahrt, um eine Distanz von sechs Kilometern zu überwinden. Doch halt, bevor die Rührung den Blick trübt: Deutsche Einheit hin, europäische Integration her - in Asien wird keineswegs direkter Kurs auf Wiedervereinigung genommen, nicht in Korea und schon gar nicht in China. Der neue Schiffsverkehr betrifft nur wenige kleine taiwanesische Inseln direkt vor der rotchinesischen Küste. Von beiderseitiger Annäherung kann keine Rede sein: Pekings Medien verschweigen die Neuerung. Es ist nicht mehr als eine Geste Taiwans, um Chinas Zorn über den neuen Präsidenten zu dämpfen, der offen mit der Unabhängigkeit kokettiert. Eher ein Relikt des Kalten Krieges als dessen Überwindung.

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