Meinung : Hitze statt Spitze

„Hitzestau“ vom 14. Juni

33 Grad im Klassenraum morgens um 7 Uhr? Leider wird es später, im Berufsleben, nicht unbedingt besser: An der FU Berlin gibt es Institute, die das Pech haben, nachträglich auf die sogenannte „Rostlaube“ aufgebaut zu sein. Bestehend aus Glas und Metall wie ein Auto sind sie nun in dieser exponierten Lage ohne Schatten ringsum der prallen Sonne ausgesetzt. Große Glasflächen gibt es reichlich, an vernünftig zu öffnenden Fenstern wurde hingegen gespart. Eine effiziente Möglichkeit, Treppenaufgang oder Institutsgang wenigstens nachts auszukühlen, gibt es nicht. Das in unserem Institut im Jahr 2010 an mehreren Tagen gemessene Bürotemperaturmaximum betrug 39 Grad plus! Klimaanlagen sind an der FU nicht erwünscht, was wir akzeptieren. An ein vorhandenes Kühlsystem, das es in den unteren Etagen geben soll, wurde der Aufbau nicht angeschlossen. Um Außenjalousien, die nächstliegende und einfachste Lösung gegen das Problem des Aufheizens, bitten wir seit mehr als zwei Jahren vergeblich. Selbst Deckenventilatoren wurden jüngst wieder abgelehnt mit dem Hinweis, sie erzeugten durch ihren Stromverbrauch (5 bis 20 Watt!) zusätzliche Wärme! Gerne stellt sich die FU als sozialer Arbeitgeber vor; es gibt Gesundheitsprogramme, Familienprogramme, Gleichstellungsprogramme und vieles mehr. Theoretisch, d. h. in Broschüren oder Websites, hält die FU natürlich jene Bedingungen ein, die für Arbeitsstätten bundesweit vorgeschrieben sind. In der Praxis sieht es leider anders aus. Dekanatsverwaltung, Technische Abteilung und Kanzler sind über die Situation seit Jahren informiert. Der Personalrat ist eingeschaltet. Institutsmitglieder und Studierende haben in einer großen Unterschriftenaktion protestiert. Etwas Wirksames passiert ist bis heute nicht. An einer wirklichen Lösung, die eine kleine Summe Geld kosten könnte, scheint niemand wirklich interessiert. Auch früher hochmotivierte Mitarbeiter fragen sich immer öfter, wie die FU ihre Leistungen honoriert. Unser Institut war nicht ganz unbeteiligt am Erfolg des Exzellenzwettbewerbs 2007 und hat auch sonst der FU einiges an Prestige und Geld gebracht. Andere Arbeitgeber würden tüchtige Mitarbeiter, die nichts anderes im Sinn haben, als effizient arbeiten zu dürfen, in diesem Bestreben vermutlich unterstützen – während eine chronisch unterfinanzierte Freie Universität Berlin ihre eigentlich wertvollste Ressource, die Motivation und Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter, in jahrelangen Kämpfen um die Anschaffung schlichter Außenjalousien verschleißt!

Professor Norbert Blößner,

Freie Universität Berlin, Berlin-Dahlem

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