Hochschulen : Gesundgespart, genug gespart

Zum Erfolg gezwungen: Berlins Universitäten liegen plötzlich ganz weit vorne.

Anja Kühne

Berlins drei große Universitäten leisten viel und sind nicht besonders teuer, lautet die Botschaft einer neuen Studie. Im Vergleich mit anderen norddeutschen Ländern geben Berliner Unis, gemessen an der Zahl ihrer Absolventen, nicht besonders viel für die Lehre aus. Und Berliner Professoren werben besonders viel Geld für die Forschung ein.

Seit Jahren machen Berlins Unis in Rankings eine ziemlich gute Figur. Die Freie Universität und die Humboldt-Universität stehen sogar in der Endrunde des Elitewettbewerbs. Trotzdem verursacht jede neue Erfolgsnachricht noch immer Staunen. Denn lange galten Berlins Universitäten – genauer: West-Berlins Universitäten – als große Sümpfe, die Personal, Studierende und Geld in rauen Mengen schluckten, aber nie nennenswerte Früchte hervorbrachten. Dieses Pauschalurteil war zwar schon immer falsch. Denn auch vor 25 Jahren gab es in Berlin exzellente Wissenschaft. Aber es ist wahr: Viele Bereiche waren glanzlos. Konflikte wurden in den politisierten Gremien dadurch gelöst, dass man den Lehrkörper aufblähte. Geld gab’s in der Inselstadt ja genug.

Wie ist der Aufschwung, zumal der FU und der von 40 Jahren DDR gezeichneten HU, zu erklären? In Berlin kam manches zusammen. Die Grabenkämpfe in den Gremien legten sich im pragmatischen Zeitgeist der 90er Jahre. Aber die Unis profitierten auch von politischen Entscheidungen. In Berlin wurden die Hochschulverträge erfunden, die inzwischen von vielen Bundesländern nachgeahmt werden: Die Unis bekommen finanzielle Planungssicherheit und versprechen im Gegenzug bestimmte Leistungen. Teile der Landeszuschüsse werden ebenfalls nach Leistung unter den Unis im Wettbewerb verteilt. Globalbudgets gewähren mehr Freiheit. Und nicht zuletzt lassen sich mit der Erprobungsklausel im Berliner Hochschulgesetz Entscheidungswege innerhalb der Unis straffen.

Auch Geldknappheit hat geholfen. Die FU musste sich nach der Wende bei immer knapperen Ressourcen gegen die neue Konkurrenz, die HU, Lieblingskind des damaligen Wissenschaftssenators, behaupten. Und alle drei Unis sind seit Jahren gezwungen, Verschwendung von Geld zu stoppen, sich auf das Entscheidende zu besinnen.

Ist sparen also gut für die Unis, weil sie sich so „verdorrte Äste“ abschneiden und nur knackiges Grün zurückbehalten? Wohl kaum. Zumal die letzte Sparrunde – 75 Millionen Euro bis 2009 sind zu erbringen – hat geschadet. Denn Leistung konnte ja nur einer unter anderen Faktoren sein, nach denen Stellen gestrichen wurden. Institute, an denen sowieso bald viele Professoren in Pension gingen, hatten mehr zu fürchten. Genauso wie kleine Institute, die an den Unis keine große Lobby hatten, und die ungeliebte Lehrerbildung. Massenfächer hingegen, in denen die Lehre gesichert werden musste, wurden geschont.

Ärmer macht besser! So will der Senat jetzt die Sparmaßnahmen der Vergangenheit verkaufen. Verschwiegen wird, dass Berliner Unis bei Berufungen oft jenen im Süden unterliegen, weil diese mehr Mitarbeiter und bessere Labore bieten können. Auch haben schon Koryphäen mit dem Hinweis abgesagt, nach den jüngsten Sparmaßnahmen sei der Lehrkörper eines um sie werbenden Berliner Instituts zu klein, um in der Forschung noch „kritische Masse“ erreichen zu können.

Manchmal kann Spardruck etwas Gutes bewirken, auf Dauer nicht. Wie sich die Berliner Unis unter den Einsparungen entwickeln, was der neue Masterplan des Senats und die geplante Superuni leisten können, das muss sich in zukünftigen Rankings erst noch zeigen. Mal sehen, wann Studierende nicht mehr über zu volle Kurse klagen, die Dozenten nicht mehr unter Überlastung stöhnen müssen.

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