Hoeneß-Prozess : Das Schurkenstück des Ulrich H.

Aus dem Charmeur und Merkel-Liebling Uli Hoeneß wird vor Gericht der Steuerbetrüger "Ulrich H." - und trotzdem bleibt er bei Bayern München im Amt. Das darf man als klare Botschaft Bayerns an den Rest der Welt verstehen.

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Bayernmann Hoeneß: Vor Gericht geführt als Ulrich H.
Bayernmann Hoeneß: Vor Gericht geführt als Ulrich H.Foto: dpa

Das Überraschende daran, dass Uli Hoeneß vor Gericht muss, ist seine Überraschung. Was hatte er denn gedacht? Dass sich ein Richter nicht an einen bayerischen König herantraut? Oder erwartete er nach dem netten Handschlag der Kanzlerin beim Finale in Wembley, Merkel würde ihn raushauen? Doch ist auch er auch nur kleines Würstchen im Rechtsstaat, dem vorgeworfen wird, ein stinknormaler Steuerbetrüger mit fehlerhaft zusammengepfuschter Selbstanzeige zu sein.

Bei Gericht wird er geführt als „Ulrich H.“, die Presseerklärung zur Prozesseröffnung folgt auf eine Mitteilung zum Fall „Beate Z.“, Z wie Zschäpe. Das ist eine andere Gesellschaft als die auf der Vip-Tribüne; da ist nichts mehr übrig vom lieben Uli, der mal ein bisschen Mist gemacht hat. In der Erklärung des Gerichts wird Ulrich H. als Präsident des Vereins Bayern München bezeichnet. Er ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Bayern München AG, und seine Familie führt ein florierendes Fleischgeschäft, das vier Millionen Würstchen täglich presst und die Mitarbeiter dazu.

Die Millionen fürs Zocken, sein Spielgeld, hat er sich geliehen. Was den Fall Hoeneß zum dreisten Schurkenstück macht, ist die arrogante Doppelmoral. Während Hoeneß in der Schweiz als Schwarzgeldspekulant absahnt, flutet er den deutschen Diskurs als Ehrenmann mit Saubersprüchen solcher Art: „Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ Das Wort Finanzprodukte spuckt er aus wie einen Wurm.

Entweder ist da ein populistischer Blender am Werk – oder ein Schizophrener. Beides scheint einen jedoch aufs Allerfeinste für eine führende Rolle bei Bayern München zu prädestinieren. Anders ist nicht zu erklären, dass ihn die Miteigentümer und Sponsoren Adidas, VW und Telekom im Amt halten – und angekündigt haben, das bleibe auch dann so, wenn er verurteilt wird. In keinem dieser Unternehmen hätte eine Führungskraft auch nur die Ermittlungen im Amt überstanden.

Die Botschaft dieser Bayern an den Rest der Welt: Eure Armut kotzt uns an. In einem Liedchen der Toten Hosen heißt es: „Ich würde niemals zu den Bayern gehen!“ Hoeneß befand: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird.“ Man darf ihm allerdings zugutehalten, dass er auch seine hellen Momente hat: „Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant“, erkannte er als noch unbekannter Steuerbetrüger. Man könnte auch sagen: Ulrich H. repräsentiert den Dreck, an dem unsere Gesellschaft erstickt.

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